Take it Easy

09.02.2026 bis 01.03.2026

Anmerkung der Redaktion (sagt man doch so oder?): Dem einen oder anderen Menschen wird bestimmt aufgefallen sein, dass wir seit längerer Zeit hier nichts neues von unserer Reise berichtet haben. Schließlich ist mittlerweile Juni und wir erzählen hier gerade immer noch vom Februar. Nunja was sollen wir sagen? Zunächst erstmal: Uns geht es beiden gut. Wir sind gesund und noch unterwegs, wenn auch anders als wir uns vorgestellt haben. Nanis und ods‘ Reisen könnten gerade kaum unterschiedlicher sein, als zum ursprünglichen Plan oder dem folgenden Reisebericht. Doch die Rohfassung dieses Texts lag bereits eine Weile brach und wir wollen ihn nun endlich posten.

Kurze Rückschau: Wir sind in Griechenland, haben es bereits bis nach Peloponnes geschafft (der untere Teil von Griechenland der aussieht wie eine Insel) und steuern gerade ein Projekt an, dass Nani auf einer der Couchsurfing-Seiten entdeckt hatte. Nani wurde von einem Hund gebissen, Trampen ist in Griechenland abseits der Hauptrouten ein einziger Krampf und das Wetter macht uns das Leben schwer. Spaß haben wir trotzdem. Also weiter im Text.

Das Projekt von Yiannis war großartig! „Your spot“ war ein toller Ort mit tollen Menschen und liebevollen Hunde noch dazu! Wir blieben kurzerhand die kommenden drei Tage und lernten neben dem spanischen Paar, was vor uns mit ihrem Camper anreiste, noch Andrea mit ihrem Hund Torro und ihrem Van sowie Alizet und Ivan kennen. Die beiden waren mit dem Rad seit fünf Monaten aus Frankreich unterwegs und reisten ohne Deadline umher. In dieser vielseitigen und bunten Runde aus Sprachen und Lebensgeschichten verbrachten wir wundervolle, gemeinschaftliche Abende mit gutem Essen, Wein und musizieren. Das Wetter zeigte sich in bester April-Laune zwischen schönstem Sonnenschein und starkem Sturm. Also war es mal wieder Zeit für einen längeren Zwischenstopp, als ursprünglich geplant war. Die Regenzeiten nutzten wir für kleinere Projekte. Ods hatte es sich zur Aufgabe gemacht, seinen Schlafsack-Inlett zu reparieren und versuchte sich an der Nähmaschine, die Yiannis herumstehen hat. Während ods sich den Vormittag lang mit dieser Maschine beschäftigte, die seit rund zwei Jahren nicht mehr benutzt wurde, stellte er fest, das sie doch mehr Probleme machte, als zunächst gedacht. Nach ewigem Versuchen und unter Zuhilfenahme von KI wurde irgendwann klar, dass eine Schraube zu fest angedreht war und deshalb die Maschine nicht richtig nähte. Leider schafften wir es nicht, die Schraube zu lösen und so musste ods nach einem halben Tag tüfteln sehr frustriert aufgeben.

Die Zeit zwischen den Regenschauern nutzten wir für kleine Tagesausflüge in die Umgebung. Andrea erzählte, dass auf dem Weg zum Strand Unmengen an Obstbäumen und insbesondere Orangenbäume stehen, wo man wunderbar ein paar reife Früchte pflücken kann, ohne dass es wirklich jemandem fehlt. Also beschloss Nani, dass das ihre heutige Aufgabe vor dem Abendessen werden würde und ods kam mit seinem Beutel mit. Für eine ordentliche Menge Saft, brauchte es schließlich eine ordentliche Menge Orangen. Wir kundschafteten also alle Grundstücke auf dem Weg zum Strand aus und pflückten uns einige Orangen. Natürlich klauten wir nicht einfach alles aus einem Garten, sondern passten auf, dass wir überall nur ein wenig mitnahmen oder lieber die verwilderteren Grundstücke ansteuerten, damit wir niemandem zu viel weg nahmen. Später wurden aus unserer Ernte ca. 5 Liter Saft gepresst, der einfach köstlich schmeckte. Die Dünen und der Strand waren übrigens auch sehr schön, aber durch die Stürme der letzten Zeit überschwemmt mit verschiedenem Treibgut, weswegen wir dort nicht lange blieben.

Unsere halbe Ausbeute des Tages

Schon auf dem Hinweg zu Yiannis hat Dora, unsere letzte Mitfahrgelegenheit, von den heißen Schwefelquellen erzählt, die es in der Nähe gab. Wobei das Erzählen aus wildem Gestikulieren auf das Straßenschild sowie der Nachahmung von „schwimmen“ und „ekeligem Geruch“ bestand. Aber wir verstanden, was sie uns sagen wollte, auch weil ods den Ort schon mal auf der Karte entdeckt hatte. Auf Google waren die Kommentare jedoch sehr gemischt, sodass wir Dora bedeuteten, dass wir da gerade keinen Abstecher hin machen wollten. Die anderen Reisenden aus unserer bunten Gruppe waren jedoch auch neugierig und Yiannis Auto stand zur freien Verfügung. Wir quetschten uns also zu fünft ins Gefährt, war zwischendurch noch ein weiterer Reisender zu unserer kleinen Gruppe dazu gestoßen. Jonas, ein weiterer Radfahrer aus dem Allgäu, klappte sich mit seinen gut zwei Metern Körperlänge ebenfalls irgendwie auf die Rückbank des Kleinwagens zusammen. Wir überbrückten die kurze Strecke in die Stadt und machten hier nochmal halt. Es war der Donnerstag vor Karneval und dieser Tag war sowas wie ein Feiertag in Griechenland, der damit zelebriert wurde, dass wirklich überall, egal ob privat, vor Restaurants oder vor dem Supermarkt für die Angestellten, ein großer Grill aufgebaut und massenweise Souvlaki gegrillt wurde. Bei lauter griechischer Musik und bester Laune war die Straße voller Menschen. Wir gesellten uns zu einer der Runden und bekamen sofort Berge an Fleisch angeboten. Die meisten in unserer Gruppe nahmen dankend an, aber Nani aß wirklich absolut kein Fleisch und auch die anderen Vegetarier wären mit einer Alternative glücklicher gewesen. Deshalb machte Nani einen Abstecher in den Supermarkt nebenan. Dort schnappte sie sich einige Grillkäse und ods fragte einen der Männer am Grill, ob das denn auch kurz raufgelegt werden könne. Klar! Der Käse kam aufs Rost und keine 10 Minuten später mampften wir alle zufrieden und lernten noch schnell einen der hiesigen Volkstänze, die eine der Frauen vormachte. Im Anschluss machten wir uns auf zu unserem eigentlichen Ziel, den Schwefelquellen, und fanden den Ort belagert von einigen, überwiegend deutschen Campervans vor. Sowohl die Touristen als auch die Einheimischen kletterten beherzt über das Tor, dass vermutlich genau zu diesem Zweck eine Lücke aufwies. Hier wurden die Gitterstäbe mit den Spitzen entfernt, so dass man mit ein bisschen Geschick leicht hinüber kam. Angekommen stellten wir fest, dass es zwar tatsächlich sehr stark nach Schwefel roch, das Wasser aber glasklar und angenehm warm war. Alle samt zogen wir uns also die Badesachen an und hüpften hinein. Es war herrlich und die Höhle, aus der die Quelle hervortrat, war unfassbar schön. Nani fühlte sich ein bisschen an die Grotte aus „H2O plötzlich Meerjungfrau’“ erinnert. Wer die KiKa-Jugendserie kennt, weiß, wovon die Rede ist. Wir schwammen alle eine Weile und schafften es gerade rechtzeitig aus dem Wasser und wieder trocken und angezogen zurück ins Auto, bevor der nächste heftige Schauer los brach. Wir kochten, diesmal mit gewechseltem Küchenteam, gemeinsam unser Abendessen und der Tag klang wie gewohnt bei offenem Kaminfeuer aus.

Die Zeit bei Yiannis war eine Wohltat! Ausgeruht und bei bestem Wetter machten ods und Nani sich am Valentinstag auf den Weg. Wir verabschiedeten uns noch einmal von allen, jeder Hund wurde noch einmal kräftig geschmust und dann ging’s los Richtung Joses Olivenhaine. Das sollte unser nächster Zwischenstopp werden. Das Stück Land lag ziemlich abgelegen in den Bergen und wegen der doch eher gemischten Tramperfahrung in Griechenland beschlossen wir getrennt zu trampen. Wir haben beide sehr unterschiedliche Erfahrungen an dem Tag gesammelt, weswegen wir einzeln von unserem Tag berichten.

Nani’s Tramptag

Ods hatte zunächst die Nase vorn, Nani überholte dann kurzzeitig, nur damit wir uns schließlich doch im selben Auto wiederfanden. Da Nani abends noch zum Videocall verabredet war, ließ ods ihr den Vortritt an der Schnellstraße. Hier gab es wirklich nur einen Spot zum Trampen und tatsächlich fand Nani nach ca. einer halben Stunde ein Auto, dass sie nach Kalamata brachte. Zwar nur an den Ortseingang, aber das machte nichts. Nani stieg kurzerhand in einen der Busse und fuhr für nur 1,50 € einmal quer durch den Ort. 45 min später stand sie also am Ortsausgang und versuchte die letzten 40 km Bergstraße zu meistern. Zumindest nach Stoupa musste es heute noch gehen, da könnte im Notfall eine Freundin von Jose einspringen und Nani zum Grundstück hochbringen.

Als ein Auto mit drei jungen Typen anhielt, ahnte Nani bereits nichts Gutes. Die Intention, mit der sie hielten, war weit entfernt von Hinfahrbereitschaft und als die zweite Frage „Are you free?“ lautete, verneinte Nani und bedeutete ihnen weiterzufahren. Das taten sie zwar, allerdings nur fünf Meter auf den Parkplatz, um dann laut hupend und störend um Nanis Aufmerksamkeit zu buhlen. Während Nani bereits mental in Verteidungungsmodus ging, kam Hilfe dazu. Die Szene wurde von einem Fahrer auf der Gegenfahrbahn beobachtet. Er hielt mitten auf der Fahrbahn an und fragte aus dem Auto heraus, bereits im Begriff zu wenden, ob er helfen kann, und mit einem kleinen Manöver wechselte er die Fahrspur. Das zog die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit so sehr auf sich, das die Männer glücklicherweise mit quietschenden Reifen davon fuhren und Nani unbehelligt bei Chris einsteigen konnte.

Hierzu ein paar Worte, denn es war einfach nur Zufall, dass die Situation nicht bedrohlicher oder unangenehmer als das wurde. Das ist kein Einzelphänomen oder ein individuelles Problem. Diese Art der sexuellen Belästigung ist Alltag der meisten Frauen, die sich im öffentlichen Raum bewegen ar nichts mit dem Trampen oder sonstigen besonderen Umständen zu tun. Nani ist schlicht eine weiblich gelesene Person in einer Welt, in der Männer glauben, es sei in Ordnung sich so zu verhalten. Den Fokus auf das Verhalten der Männer zu legen ist wichtig, weil man annehmen könnte der Reisestil, Nanis auftreten oder etwas anderes, was in ihrem Einfluss liegt, sei für das Verhalten der Männergruppe rechtfertigend. Schließlich habe sie doch nach Aufmerksamkeit gefragt. Böse Zungen behaupten, wenn man sich in solche Situationen begibt, besonders als Frau, müsse man halt damit rechnen, dass so etwas passiert. Das werden wir hier niemals missverständlich stehen lassen! Belästigung, Übergriffigkeit und sexuelle Gewalt passieren nicht, weil Frauen präsent sind, sondern weil Männer zu Tätern werden und das unabhängig der Nationalität. Wir wünschen uns, dass die Menschen drum herum immer so aufmerksam wären, wie Chris es war, aber eigentlich hätte die Situation so nicht passieren dürfen. Die Männer sind weiter gefahren und können sich heute vermutlich nicht einmal mehr daran erinnern. Nani schon und es geht niemals spurlos an einem vorbei.

Chris aus Toronto erwies sich als Nanis Glücksbringer. Er war bereits Mitte 70 aber top fit und als Kind mit seinen Eltern aus Griechenland nach Kanada ausgewandert. Er fuhr gerade spazieren und war am Überlegen, wie er den heutigen Abend noch verbringen würde. Er freute sich über Gesellschaft und bot deshalb an Nani inklusive einer kleinen Rundfahrt an die hübschesten Küstenorte, die auf dem Weg lagen, zu fahren. Das Angebot nahm Nani natürlich dankbar an und unterhielt sich blendend. Er war der erste Lift des Tages, bei dem ein richtiges Gespräch möglich war, sprachen doch alle vorher nur sehr wenig bis gar keine gemeinsame Sprache mit Nani. Er erzählte von der Gegend, seiner Familie und dem Land, das er in einem der Vordörfer von Kalamata pflegte. Seine Eltern seien mittlerweile zu alt und er gebe sich alle Mühe das große Land alleine zu pflegen. Er war ein wirklich interessanter Mensch mit viel Lebenserfahrung und Nani war nicht seine erste Reisende, der er mit einer Mitfahrgelegenheit aushalf. Er folgte einem Paar, dass vor ein paar Jahren per Anhalter nach Indien gereist war, über Polarsteps und zeigte mir ihre Reiseroute. Nani schmunzelte als sie die Fotos der beiden sah, gab’s doch einige optische Überschneidungen zwischen ihr und der Frau die da in die Kamera strahlte. Wir sind eben alle gar nicht so individuell und alternativ wie wir denken. Letztlich fuhr Chris Nani bis auf das Grundstück von Jose und war mindestens genauso neugierig. Auf dem Weg nach oben trafen wir Sophie, die auf ihrem Land gerade einige Olivenbäume schnitt. Chris hielt, wir machten uns bekannt und somit war Nanis Ankunft verkündet.
Nachdem wir uns umgeschaut hatten verabschiedete Chris sich, aber nicht ohne Nani noch unbedingt mit Verpflegung auszustatten. Mit dem leckersten Käse überhaupt und frischen Tomaten machte Nani es sich in der Lehmhausküche gemütlich. Jose war an diesem Abend nicht da, sodass das ankommen und zurechtfinden sehr heimisch war. In aller Ruhe konnte Nani ihr Valentinstagsdate vorbereiten und sich einleben.

Auf der Rückbank mal wieder zwischen Rucksack und Sitz eingeklemmt

ods‘ Tramptag

Für ods war es ebenfalls ein wilder Tramptag. Er benötigte insgesamt elf Fahrzeuge, um die rund 140 km von Zacharo bis nach Neochori bei Stoupa zurückzulegen. Hier also der Tag aus seiner Perpektive:

  1. Am Ortsausgang von Zachori hielt ein Handwerkerbus. Der Fahrer meinte, er habe Nani bereits im Ort stehen gesehen, konnte aber wegen des Verkehrs nicht für sie anhalten. Also hat er stattdessen für ods angehalten. Somit war klar, dass ods erst einmal die Nase vorn hatte. Der Handwerker war auf dem Weg zu einem Haus an der Küste, das er gerade für Freunde renovierte. Er fuhr extra einen kleinen Umweg, damit ods an eine bessere Trampstelle hinter dem Dorf kam.
  2. Nach kurzer Wartezeit an der Landstraße hielt ein Mopedfahrer an. ods hält grundsätzlich bei jedem Fahrzeug den Daumen raus, egal ob es Platz hat oder nicht. Bei Zweirädern erwartete er jedoch meistens nur ein entschuldigendes Lachen. Doch diesmal wollte der Mopedfahrer tatsächlich helfen. Er stellte sich als Pakistani vor, welcher ods unbedingt aus seiner Misere helfen wollte, da er in seinen Augen vollkommen hilflos und einsam am Straßenrand stehen würde. Nach einiger Diskussion in gebrochenem Englisch und mit Hilfe von Google Übersetzer einigten beide sich darauf, gemeinsam ca. vier km zur nächsten Bushaltestelle zu fahren. Solch kurze Strecken fühlen sich beim Trampen immer fast egal an – spielt es doch keine Rolle, ob man nun hier oder vier km weiter an der selben Straße stehe, ist der Verkehr doch der Gleiche. Dennoch sagte ods zu, auch weil er noch nie auf einem Moped getrampt ist. Mit einem Grinsen klammerte er sich während der Fahrt an den Fahrer und achtete darauf, mit dem schweren Rucksack im Gleichgewicht zu bleiben. An der Bushaltestelle angekommen fragte der Pakistani nach Geld. Reflexartig sagte ods ihm, dass er kein Geld habe, worauf der Fahrer seine Geldbörse zuckte und ods 20 € in die Hand drücken wollte. Er verlangte also selbst kein Geld für seine Hilfsbereitschaft, sondern wollte sicher ergehen, dass ods Geld für den Bus und für Essen habe. ods musste ihm mehrfach sagen, dass er sein Geld nicht brauchte und irgendwann verabschiedete er sich und fuhr wieder zurück. ods war sehr gerührt von seiner Geste, wollte er doch bedingungslos mit allem helfen, was er nur konnte, ohne auch nur eine Gegenleistung zu erwarten. Diese vermeintlich selbstverständliche Freundlichkeit ist vielleicht kulturell bedingt und ods hoffte darauf, später auf der Reise in der arabischen (oder türkischen) Welt mehr davon zu erleben.
  3. Nun stand ods wieder an der selben, wenig befahrenen Straße, ein Stück weiter, unter der brennenden Mittagssonne, denn Schatten gab es dort nur sehr wenig. Irgendwann bog ein Campervan mit Schweizer Kennzeichen aus einer Nebenstraße. Wäre ods nicht die vier km mit dem Pakistani mitgefahren, hätte er den Schweizer nie getroffen. Das ist wohl dieses Tramper-Schicksal. In dem Camper saß ein Züricher Auswanderer, der ods bis nach Kalo Nero fuhr, wo er auf eine andere Straße wechseln musste, während der Auswanderer geradeaus weiter fuhr. Unterwegs unterhielten beide sich übers Auswandern in eines der seiner Meinung nach schönsten Regionen Europas. ods konnte gut verstehen, warum er sich dieses Fleckchen Erde ausgesucht hatte. Jede Bucht sieht hier einfach traumhaft aus!
  4. An der Kreuzung stand ods wieder etwas länger, aber immerhin im Schatten eines kleines Hotels, bis er von einem älteren Griechen bis zu seinem Dorf mitgenommen wurde. Wegen Sprachbarrieren konnten wir nicht viel miteinander sprechen, aber oftmals reichen nur wenige Worte aus. Auf der Strecke sammelten wir dann auch noch Nani ein, die sich irgendwie auf die Rückbank des viel zu kleinen Autos zwängte. Er ließ ods und Nani gegenüber von einer Tankstelle raus. Wir freuten uns über das unerwartete Wiedersehen, doch beschlossen wir, getrennt weiter zu trampen. Die Tramper-Etikette besagt, dass, wer zuerst an einem Trampspot steht, Vorrang hat. Also ließ ods zuerst Nani ihr Glück versuchen, während er mit etwas Abstand Mittagspause machte.
  5. Als Nani endlich ein Auto fand, stellte ods sich an ihre Stelle. Es war leider kein guter Spot, fuhren doch die Autos auf der Straße selten und dafür auch noch sehr schnell. Doch irgendwann quatschte ein Autofahrer aus einer Seitenstraße ods an. Er war Deutsch-Türke, und begrüßte ihn mit einem herzlichen „Arschloch!“ Auch sonst war er ein etwas schräger Vogel mit teils schwierigen Weltanschauungen und einer starken Neigung zu Gras. Er sagte unterwegs, er fährt extra für ods bis Kalamata, aber nur weil er gerade bekifft sei. Mit gemischten Gefühlen im Bauch ging ods darauf ein und tatsächlich erreichten wir problemlos den Vorort von Kalamata, wo ods dann doch ganz froh war, wieder aus seinem Auto aussteigen zu können.
  6. ods‘ soziale Batterie war nun etwas erschöpft. Zudem stand er vor dem Problem, irgendwie auf die andere Seute der Stadt zu kommen. ods streckte zunächst den Daumen raus, doch fühlte es sich hier schon sehr nach Stadtverkehr an und er dachte, hier würde nie jemand anhalten. Also suchte ods nach einiger Zeit auf dem Handy nach einer Busverbindung, die jedoch fast eine Stunde dauern würde. Da er sich vorgenommen hatte, heute noch bei Jose anzukommen, hätte die Busfahrt zu viel Zeit gebraucht und das Rennen gegen die Dunkelheit würde dann sehr knapp werden. Während ods noch auf’s Handy starrte, sprach ihn ein Autofahrer an. Der Mann ist schon vorher in die andere Richtung an ihm vorbei gefahren und hat ods trampen gesehen. Nun kam er gerade von einer Tankstelle gefahren und fragte, ob er Hilfe anbieten könnte. ods erklärte seine Situation und der Fahrer erklärte sich bereit, ods auf die andere Seite der Stadt zu fahren. Auch wenn er dort heute schon war, meinte er, hat er noch Zeit für eine weitere Wochenendfahrt. Er fuhr für ods sogar extra durch die Innenstadt und am Hafen entlang, um die schönen Seiten der Stadt zu zeigen. So verbrachte er den Rest seines freien Tages und freute sich sehr, jemandem noch einen Gefallen getan zu haben.
  7. Auf der anderen Seite von Kalamata positionierte ods sich günstig hinter einer Kreuzung, um direkt alle Fahrzeuge auszusieben, die in eine andere Richtung fuhren. Zufällig traf er dort die beiden französischen Fahrradfahrer wieder, die wir bereits auf Yiannis Grundstück kennen gelernt hatten. Es war für alle eine große Überraschung, sich hier wiederzusehen. Doch die beiden wollten schnell weiter, um noch einen schönen Schlafplatz zu finden. Auch ods versuchte weiter zu kommen und fand sich im Auto eines Einheimischen wieder, der zwar nur ins übernächste Dorf fuhr, wo er wohnte, doch wie heute bereits erfahren, hilft jeder einzelne Kilometer. Der Fahrer war sehr herzlich und fragte nach dem woher und wohin, auch wenn er kein Englisch sprach. Zwischendurch rief er sogar seinen englischsprechenden Sohn an, der als Dolmetscher diente. Über den Sohn erfuhr ich, dass mein Fahrer mich gerne auf einen Kaffee einladen würde und so hielten wir in einem Straßencafé. Auch wenn ods eigentlich keinen Kaffee trinkt, ablehnen wollte er auch nicht. Wenn ods es nicht so eilig ans Ziel gehabt hätte, hätte der Fahrer ihn sicherlich noch zu seiner Familie nach Hause eingeladen, aber ods wollte unbedingt heute noch bei Jose ankommen, also setzte er ods in einem kleinen, sehr niedlichen Dörfchen in den Bergen ab.
  8. Im Dorf entdeckte recht fix ein junges Pärchen ods, das dort gerade jemanden besucht hatte. Er stieg zu ihnen ins Auto und sie fuhren zum übernächsten, ebenfalls sehr schönen Bergdorf. Sie waren so begeistert von ods und seiner Reise, dass sie alles versuchten, einen nächsten Lift zu finden. Sie haben alle Vorbeifahrenden, die sie kannten, angesprochen, doch niemand fuhr an dem Abend noch aus dem Dorf raus. Langsam näherte sich die Sonne dem Horizont und ods wusste, dass es noch maximal eine halbe Stunde dauerte, ehe die Sonne unterging und im Dunkeln müsste ods das Trampen aufgeben. Vielleicht auch deshalb fieberte das Pärchen sehr mit.
  9. Dann hielt doch noch ein Auto. Es war eine deutsche Touristin, die sich mega freute einem Tramper helfen zu können. Beim Einsteigen winkte ods noch dem Pärchen zu, das hinter dem losfahrenden Auto laut jubelte. Die Touristin fuhr zwar nicht bis nach Stoupa, doch immerhin zum Nachbarort. Sie erzählte, dass ihr Griechenlandurlaub in zwei Tagen wieder vorbei war, sonst hätte man sich sicherlich in Stoupa wiedergetroffen. Sie hatte ein total schlechtes Gewissen, dass sie nicht nach Stoupa fahren konnte, doch ods zeigte sich sehr optimistisch, heute noch eine Person zu finden. Als er jedoch ausstieg, sah er, dass die Sonne in den nächsten zehn Minuten untergehen würde und nur noch die Dämmerung über Zeit war jemanden zu finden.
  10. Tatsächlich hatte ods heute noch einmal riesiges Glück. Ein Auto hielt an und die Fahrerin lud ods erst einmal zwischen ihren Einkauf ins Auto, auch wenn sie nur wenig Platz hatte. Mit ihren Einkaufssachen auf dem Schoß und einem großen Stück Torte balancierend fuhren wir los. Sie meinte, sie fahre nicht wirklich nach Stoupa sondern nur an den Ortsrand, wo sie wohnte. Als ods erkläre, dass er zu Jose in die Berge wollte, lachte sie laut. Sie war eine gute Freundin von Jose und so rief sie während der Fahrt mehrere Leute an, um jemanden zu finden, der auch gerade in die Berge fuhr. Dann fiel ihr ein, dass Joses Nachbarn gerade ihrem Mann bei einer Reparatur am Haus halfen. Tatsächlich waren sie noch da und so fuhr ods mit zu ihr nach Hause und half beim Ausladen des Einkaufs.
  11. Zuletzt also fuhren Joses Nachbarn ods von der Küste in die Berge zu deren Grundstück und die letzten 400 m Feldweg konnte ods im Dunkeln zu Fuß zurücklegen. Er hatte es tatsächlich nach elf Fahrzeugen geschafft. Nani war natürlich schon längst hier und telefonierte. ods schaute sich im Dunkeln um, freute sich über die Ruhe und Abgeschiedenheit des Grundstücks und ließ den abwechslungsreichen, wilden Tag unter dem Sternenhimmel liegend ausklingen.
Neue Errungenschaft: Einmal auf einem Moped trampen

Zwischen Olivenbäumen und rotem Lehm

Joses Grundstück erwies sich als recht einfach. Es bestand vor allem aus einem Olivenfeld mit ca. 120 Bäumen, zwischen denen er sein Zuhause aufgebaut hat. Neben einem großen Camper, in dem das Schlafzimmer untergebracht war, gibt es ein Lehmhaus, in der Küche und Wohnzimmer eingerichtet waren. Daneben stand ein leeres Steinhaus mit angeschlossener Abwasch-Straße und die Werkstatt mit überdachtem Lager. Ein Kompostklo gab es natürlich auch noch. Jose begrüßte uns erst am nächsten Tag, nachdem wir die Nacht sein Bett im Camper nutzen durften. Wir schlugen vor, unseren Schlafplatz in der Werkstatt auszubreiten, war es doch der einzige saubere und zuverlässig trockene Raum bei ihm. Ansonsten richteten wir uns in der Küche und im Wohnraum ein. Die Woche bei Jose verlief emotional ebenso wechselhaft wie das Wetter. Die Arbeit, die insgesamt auf dem Land zu machen war, war nur bei gutem Wetter möglich. Unsere Unterbringung in der Werkstatt und und in Küche und Wohnzimmer waren sehr einfach gehalten. Dazu waren die heftigen Regenschauer in ihrem vollen Ausmaß spürbar. Durch den lehmigen Boden, standen wir in der Küche zeitweise knöcheltief im Matsch und als dann auch noch das WLAN ausfiel, sank die Laune zwischenzeitlich unter den Gefrierpunkt. Kalt, nass und dreckig ist immer die schlechteste Kombination beim Camping. Bekanntlich kommt nach jedem Regen aber auch wieder Sonnenschein und als das Wetter wieder freundlicher und der Matschehaufen langsam aber sicher zu einem begehbaren Küchenboden wurde, zeigte Jose ods und Nani endlich, wie man Olivenbäume richtig schneidet. Damit verbrachten wir einige Tage und beendeten unser Werk mit einem Lagerfeuer um all den Baumschnitt los zu werden. Die Ruhe, die allabendlich über dem Land einkehrte, war unfassbar, ebenso wie der Sternenhimmel, der uns überzog.

Nach all der Arbeit, die durchaus schweißtreibend war, brauchten sowohl ods als auch Nani unbedingt eine Dusche. Doof nur, dass ein Wintersturm die Außendusche auf dem Grundstück niedergerungen hatte. Sowie alles in dieser kleinen Community regelte Jose dieses Problem mithilfe einer Freundin. Nach nur 30 min über Stock und Stein den Berg runter durften wir ihr Bad und die Dusche nutzen. Nani nutzte die Gunst der Stunde sich dort auch nochmals die Seiten ihrer Haare zu rasieren. Was da genau am Hinterkopf passierte, war eher ein Ratespiel und auch nicht Nanis Business. Frisch und leicht besorgt darüber, den Berg jetzt wieder aufsteigen zu müssen – denn danach würden wir wieder so stinken wie vor der Dusche – gab Jose Entwarnung. Wir durften das Auto der Freundin mitnehmen und konnten uns so das frisch geduschte Gefühl noch ein Weilchen bewahren.

Wir hatten die kommenden Tage viel Zeit zum Lesen, gab es doch nicht all zu viel Arbeit. Ods versuchte erneut, sein Schlafsack-Inlet zu nähen. Mit Joses Nähmaschine gelang es ihm auch endlich. Jose kam und ging, wie es ihm passte und wir entschieden, dass der Ort zwar eine schöne Zwischenstation war, wir aber nach der Karnevalsparty in der lokalen Bar, die am Wochenende stattfinden sollte, weiter wollten. Der begrenzte Komfort, fehlende Privatsphäre und die Tatsache, dass wir seit Omiš in Kroatien immer noch mitten in unserer Trennung steckten war ein Siedekessel. Dass sich in Nanis Beziehung dazu auch noch viel bewegte, was ods aufgrund er räumlichen Nähe zwangsläufig bei den Telefonaten mitschnitt, verschärfte die Gesamtsituation zusätzlich.

Ein wenig unter Menschen kommen und tanzen war also genau das Richtige und außerdem hofften wir auf eine Bar-Bekanntschaft, bei der wir die letzte Nacht im Ort verbringen konnten. Wir hatten uns zwar als Notplan ein Plätzchen hinter der Dorfkapelle ausgeguckt, wo wir campen könnten, aber ein Schlafplatz mit Bett oder Couch lockte mehr. Nani hatte da auch schon eine Idee. Die ganze Woche war sie immer mal wieder runter zu Sophies Land gelaufen, um sich auf einen Schnack zu begegnen, allerdings ohne Erfolg. Nanis Bauchgefühl zu Sophie war vom ersten Moment an gut gewesen und mit den vielen schwerwiegenden Emotionen, war ihr ein unbelastetes Gespräch gerade recht. Die Party war die letzte Möglichkeit nochmal ins Gespräch zu kommen. Es schien fast so, als hätte Sophie ähnliche Pläne geschmiedet, denn sie tauchte recht früh in der Bar auf, wie sie später erzählte, auch um zu checken, ob Nani noch da sei. Jose hatte das gegenseitige Interesse wohl bemerkt und spielte bereits seit einigen Tagen klammheimlich Wingman. In dem er sowohl Nani als auch Sophie jeweils Informationen zum Verbleib der anderen zuspielte, sorgte er dafür, dass wir uns endlich abpassten. Das Kleinstadtleben brauchte vielleicht neuen Gossip.

Einige Gläser Wein später und die Party im vollen Gange trafen wir uns an der Bar. Mit einem beherzten knuffen an den Schultern begrüßte Sophie Nani und fragte sie was sie trinke. Die Dinge gingen von hier aus ihren Gang und die Rechnung ging auf. Der Abend verschaffte ods und Nani nicht nur den erhofften Schlafplatz, sondern Nani auch einen Reiseflirt. Aus einem gemeinsamen Drink wurde ein gemeinsamer Abend und daraus wurden mehrere gemeinsame Tage.

Während Sophie und Nani deutlich später von der Party heimgekommen waren und deshalb auch noch in den Federn lagen, beschloss ods eine Halbtagestour zu einer nahe gelegenen Höhle direkt an der Küste zu machen. Die Höhle selbst war nicht sonderlich groß oder spektakulär. Dafür waren die Felsen direkt vor der Höhle sehr berindruckend Die versteckte Bucht war überall beinahe rechtwinklig und sah auf den ersten Blick wie von Menschen gemacht aus, doch die Natur war hier der eigentliche Baumeister. Dazu gab es eine Kluft im Gestein, die bei jeder Welle pfeifte, ähnlich wie die Meeresorgel in Zadar. Was jedoch menschengemacht war, waren die vielen in Stein gemeißelten Inschriften, die häufig nicht viel mehr als ein „Ich war hier!“ waren. Die älteste Inschrift war mit dem Jahr 1877 versehen, was ods sehr beeindruckte.

Da Nani den Moment mit Sophie in die Länge zog, entschied ods nach zwei Nächten weiter Richtung Gythio reisen zu wollen und den beiden ihren Raum zu lassen. Sophie beteuerte zwar, er könne auf jeden Fall bleiben, aber ods war sich sicher, ein paar Tage für sich zu sein, wäre längst überfällig. Während Nani ihren Gedankenkreisen endlich einmal eine Pause gönnte und stattdessen einen Menschen zum Teilen hatte, musste ods sich sortieren und seine Gedanken für sich ordnen. Wir verabredeten uns also in zwei Tagen in Gythio, wo wir die Fähre nach Kreta nehmen wollten.

Ods packte morgens seinen Rucksack und zog los. In Joses Wohnzimmerbibliothek hatte er ein paar Tage zuvor eine Wanderkarte der Region entdeckt und abfotografiert. Nun wollte er einen Wanderweg versuchen, der durch mehrere Dörfer führte. Der Weg war schnell gefunden, er war sogar regelmäßig markiert, wenn auch stark zugewachsen unt teilweise schwer passierbar. Es tat ods sehr gut einmal alleine unterwegs zu sein. Während eines Berganstiegs machte er sich allerlei Gedanken über seine Situation mit Nani und diese Reise. Er konnte viele Gedanken für sich in Worte fassen. Der Anstieg hatte etwas von einer Pilgerreise, wo man zu sich findet und mit sich selbst ins Reine kommt. Zumindest ist das ods‘ Vorstellung von einer Pilgerreise.

Nach einem halben Tag langsamer und andächtiger Wanderung kam ods an eine Straße, die man besser nicht entlang wandern sollte, denn diese war voller Kurven und die Autos fuhren recht rasant. Also trampte ods hier weiter und wurde von einem sehr freundlichen, englischen Auswandererpaar nach Neo Itilo gebracht. Es war das schönste Dorf in Griechenland, das ods je gesehen hatte. Es lag sehr klein und überschaubar angeschmiegt an eine Bucht, umrahmt von sanften Bergen. Ods beschloss, erst einmal Brotzeit zu machen. Während er an der Uferpromenade auf einer Bank saß, wurde er von David (Name von der Redaktion vergessen und geändert) angesprochen und sie kamen ins Gespräch. David lebte etwas weiter die Küste entlang, machte jedoch gerade Urlaub in seinem Auto. Er wirkte auf den ersten Blick etwas verschroben, war aber ein sehr herzlicher Menschund lud ods auf eine Pommes ein („die besten Pommes im ganzen Ort“). Dabei erzählte er allerlei über sich, sein Leben und andere Reisende, die er getroffen hatte. Insbesondere vermittelte er mir einen Kontakt zu einer Radfahrerin, die wie ich auch, gerade auf dem Weg zur Fähre nach Gythio wäre. Sie hat ein paar Tage bei David gewohnt und sie war ihm sehr ans Herz gewachsen. David verbrachte mehr oder weniger den ganzen Nachmittag und Abend mit ods. Dabei stellte er ods den Bürgermeister des Ortes vor, der gerade die Reste von einer Dorffeier vom Vortag aufräumte. Kurzerhand half ods mit. Der Bürgermeister witterte wohl, dass ods hier im Ort einen Schlafplatz suchte und verabschiedete sich ausdrücklich, um zu zeigen, dass ods den Platz nun für sich hat. Nach enem Rundgang durch den Ort stellte ods fest, dass wohl der beste Schlafplatz hinter einer geschlossenen Strandbar war, die zwar etwas dreckig war, aber dafür halbwegs sicht- und vor allem windgeschützt lag. David verabschiedete sich bald, um am anderen Ende des Dorfes zu einem Wohnmobil-Spot zu fahren. Nachdem der Schlafplatz aufgebaut und das Abendessen schon halb zubereitet war, kam ein Auto an, das direkt neben der Strandbar hielt. Es war David, der extra zurückgekommen war, und berichtete, dass an besagtem Wohnmobilspot mehrere Reisende bei einem Lagerfeuer zusammensitzen. Zu Fuß sei es etwas zu weit gewesen, dich David bot an, ods dort hin zu fahren. Ods stimmte zu und packte in wenigen Minuten das halb fertiges Essen irgendwie so ein, dass es nicht auslief, und schnürrte den vollständig aufgebauten Schlafplatz fix unter seinen Rucksack. Alles war sehr abenteuerlich verstaut, aber für die kurze Autofahrt sollte es reichen. Am Wohnmobilplatz angekommen, wurden beide herzlich empfangen. Offenbar ist das hier ein Sammelpunkt für Leute, die entweder auch zur Fähre nach Kreta wollen, oder von dort gekommen sind. Ich traf hier noch ein Backpacker-Paar, die auch gerade auf dem Weg nach Gythio waren und am nächsten Tag die Strecke trampen wollen. Da sich das Trampen in Griechenland als sehr unberechenbar erwiesen hat, hat ods noch am Abend beschlossen, den beiden den Vortritt beim Trampen zu geben und selber auf seinen Joker für den Notfall zurückzugreifen, von Sophie und Nani am Folgetag abgeholt zu werden. Er wusste, dass die beiden zwangsläufig hier entlang fahren mussten. Also war es kein großer Mehraufwand für die beiden. Neben den Backpacker*innen war noch ein deutsches Rentner-Paar präsent, das den Großteil ihres Lebensabends im Wohnmobil in Griechenland verbrachte. Sie waren sehr negativ gegenüber Deutschland und der deutschen Regierung im Allgemeinen eingestellt und schnell wurde klar, dass sie in fragwürdigen Telegramgruppen aktiv sind, die für sie ihr Haupt-Nachrichtenkanal war. Nach ein paar Versuchen, in die Diskussion um Covid, Gendern und Meinungsfreiheit einzusteigen, gab ods irgendwann resigniert auf, als er merkte, dass hier unterschiedliche vermeintliche Realitäten aufeinander stießen. Unsere Weltansichten konnten kaum widersprüchlicher sein. Ods verabschiedete sich vom Lagerfeuer und legte sich auf den Kiesplatz, neben dem Zelt des Packpacker-Paares.

Als ods am nächsten Morgen aufwachte, waren die Backpacker*innen bereits losgezogen. Ods hingegen frühstückte in aller Ruhe und wanderte anschließend entspannt durch den Ort bis zur Hauptstraße, wo Sophie und Nani ihn abholen wollten.

Während Nani und Sophie verbrachten ihre gemeinsame Zeit vorallem am Strand und in Restaurants verbrachten, die alle samt irgendeine Art von enttäuschendem Essen servierten. Das machte aber nichts, da wir einfach drüber lachten, die Reste für Elsa, die Mitbewohnerin von Sophie, einpackten und uns über unsere gegensätzlichen Perspektiven auf so ziemlich alles austauschten. Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. Wir hatten uns also reichlich zu erzählen und es schien, dass wir gerade so ähnlich genug in unseren Grundvorstellungen zum leben waren, dass wir uns in unsere ansonsten absolut unterschiedlichen Lebensweisen interessiert zuhörten.

Dazu gehörte auch, dass Nani von ihrer eigentlichen Abneigung zu Alkohol eine Ausnahme machte und einen weiteren Abend mit Wein in der Bar verbrachte und zugeben musste, manchmal macht Trinken in Gesellschaft einfach Spaß. Am Morgen darauf wurde Sie aber auch wieder daran erinnert, weshalb Alkohol kein regulärer Part in ihrem Alltag war. Hatte Nani die erste Party ziemlich gut weggesteckt und kaum Nachwirkung der Cocktails gespürt, schien es am folgenden Morgen als würde sie nun beide Kater auf einmal aushalten müssen, trotzdessen, dass es den Abend zuvor leidlich drei Gläser Wein waren. Nani dankte ihrem Körper für die unmissverständliche Ermahnung und schwor, ihnen nächsten Alkohol für eine Weile in die Zukunft zu legen.

Nachdem sich das Nervengift also langsam aber sicher aus unser beider Blutkreisläufe abbaute, packte Nani den Rucksack und Sophie machte das Auto startklar. Sie fuhr uns nach Gythio und ods hatte zwischendurch angefragt, ob wir ihn in einem kleinen Ort auf der Strecke einsammeln könnten. Gesagt, getan. In Gythio angekommen blieb nur noch die Verabschiedung. Schweren Herzens und mit einer letzten Geste der Zuneigung überreichte Sophie Nani eine kleine Notiz und ein Erinnerungsfoto gab es natürlich auch.

Sophie, Nani und ods

Rückblickend löste Nanis Reiseromanze verdammt große Wellen aus. Aller Beziehungskompetenzen zum Trotze, die Verworrenheit der Gesamtsituation ließ sich nicht leugnen und führte zu einigen sehr ehrlichen aber auch aufwühlenden Gesprächen. Diese flüchtige Begegnung war wohl der Point of no Return für alles Folgende, aber das wussten Nani und ods noch nicht und so begaben wir uns fröhlich in das kleine Ticketoffice der Fähre nur um zu erfahren, dass es gut war noch keine Tickets zu haben. Es war nämlich unklar, ob und wann die Fähre in Gythio einlaufen würde und ob sie tatsächlich noch heute Richtung Kreta fuhr. Mittlerweile konnte uns diese Art der Unvorhersehbarkeit nichts mehr anhaben und so beschlossen wir Pizza essen zu gehen und abzuwarten, was der heutige Tag uns brachte.
Das Gespräch, was ods und Nani über diese Pizza teilten, war wohl eines der besten seit der Trennung. Ods hatte sich einige Gedanken machen können und fand Worte für das, was ihn beschäftigte und Nani konnte mit vielen, bisher verschwiegenen Gedanken aufräumen. Beschwingt machten wir uns zur genannten Zeit nochmal auf zum Infoschalter der Fährgesellschaft, um eventuelle Neuigkeiten zu erfahren und mussten feststellen, dass weiterhin unklar war, was passiert.

Take it Easy

Wir stiefelten, wie viele andere Reisende auch, die auf die Fähre warteten, am Hafen entlang. Wir traffen die beiden Backpacker*innen wieder, die ods bereits am Vorabend zufällig kennen gelernt hat und auch die Radfahrerin, die David so ins Herz geschlossen hatte, winkte uns freudig zu, als sie ods erkannte. Wir kamen hier und da ins Gespräch und ods fühlte sich als Teil einer aufkeimenden Kreta-Reise-Comunity. Denoch gingen wir unsere eigenen Wege, bis uns Michel, ein Schweizer, ansprach, der mit einem gehüteten Segelboot im Hafen lag. Er war gerade dabei den Außenmotor seines Schlauchboots zu reparieren, mit dem er und Alex, eine Französin und Teil seiner Crew, zwischen Boot und Land hin und her kamen. Er bot uns kurzerhand ein Abendessen und einen Schlafplatz auf dem Boot an. Mit ihm kämen wir zwar nicht nach Kreta aber nach Pylos könnten wir Segeln. Er habe gerade einen Teil seiner Crew verloren und bräuchte helfende Hände. Pylos lag zwar komplett entgegengesetzt zu unserer eigentlichen Route in die Türkei, aber die Möglichkeit auf einem Segelboot zu schlafen, wollten wir uns keinesfalls entgehen lassen. Die Entscheidung fiel quasi sofort und ods und Nani machten sich auf den Weg in die nächste Apotheke. Ods leidete nämlich enorm unter Seekrankheit und dem entgegenzuwirken würde definitiv eine Herausforderung werden, auf die wir vorbereitet sein wollten. Unterdessen besorgte Michel eine Holzplanke, mit der er und das Schlauchboot rüber zum Segelboot kamen. Dort lagen leider die vergessenen Ruder, mit denen er uns alle aufs Boot befördern wollte. Der Motor ließ sich trotz aller Bemühungen nämlich nicht reparieren.
Leicht amüsiert vom Anblick des Stückholz und dem Enthusiasmus, mit dem Michel uns dies als Lösung präsentierte, beobachteten wir ihn vom Land aus beim Paddeln. Er wirkte ein wenig wie ein Schiffbrüchiger und sein vor Stolz strahlendes Grinsen, als er es tatsächlich ziemlich flott rüber schaffte, war kaum zu übertreffen. Zum Glück war das Meer an diesem Tag relativ ruhig.

Neben uns kamen auch noch zwei weitere französische Reisende, die mit ihren Fahrrädern unterwegs waren, zum Abendessen mit aufs Boot. Nani machte sich angesichts des gegen Abend zugenommenen Wellengangs ordentlich Sorgen trockenen Fußes und vor allem Rucksacks vom Land in das Schlauchboot und dann auf das Segelboot zu gelangen, aber mit einem mutigen Satz schafften wir es alle recht wohlbehalten. Michel bereitete ein wunderbares Abendessen zu und unsere kleine Schicksalsgemeinschaft fühlte sich plötzlich sehr gemütlich an. Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass die Fähre gegen 1 Uhr morgens ablegen sollte. Diese Info breitete sich wie ein Lauffeuer durch den Ort aus. Ods und Nani blieben aber bei ihrer Entscheidung als Crew zu helfen und die Strecke durch die Türkei nach Georgien schon irgendwie zu schaffen. Nani und Bibo waren am 30. April in der Hauptstadt am Flughafen verabredet und ods hatte zur selben Zeit als Volunteer in Georgien zugesagt. In Reisezeit gemessen war das quasi noch eine halbe Ewigkeit hin, dachte Nani.
Der Seegang machte nicht nur ods sondern auch dem weiteren Gast zu schaffen trotz der vorsorglich eingenommenen Tabletten. Wir würden die kommenden Tage aber noch im geschützten Hafen verbringen, weshalb auch das erstmal kein Grund zur Sorge war. In der Nacht verließen die beiden Reisenden das Boot, um die Fähre nach Kreta zu bekommen. Somit blieben noch Michel, Alex, Nani und ods an Bord. Die erste Nacht in unserer Koje war erstaunlich erholsam. Langsam aber sicher gewöhnten wir uns an das ständige Schaukeln und machten uns mit dem Leben auf dem Boot vertraut. Leider verließ und Alex am nächsten Tag recht früh, sodass wir die restlichen Tage auf dem Boot zu dritt verbrachten. Während Nani liebend gern die Küche näher kennenlernte und sich außerdem mit einer Lösung für die Aufhängung der Kajütenleiter befasste, lernte ods wie man ein Segel richtig flickte. Learning Nummer 1: Auf einem Boot gibt es immer etwas zu tun.

Es gab ein ganz eigenes Set an Regeln und Gepflogenheiten, angefangen bei der Benutzung des Stroms über die Handhabung der Toilette bis zur allgemeinen Gewohnheit Dinge immer gesichert abzustellen, sollte doch einmal eine Welle unerwartet doll sein und alles zum Wanken bringen. Zu Nanis Vorteil unterschied sich vieles davon gar nicht so sehr vom Campingurlaub mit einem Wohnwagen. Damit war sie ihre Kindheit und Jugend über aufgewachsen. Wir lebten uns wirklich gut ein und unser Kapitän war ein lustiger Kerl. Wir unterhielten uns in einem Mischmasch aus Deutsch und Englisch, da Michel aus dem französischen Teil der Schweiz kam, allerdings per Sprachaustausch im eigenen Land auch ziemlich gut deutsch sprach. Englisch erklärte sich durch seinen Lebensstil, war er doch bereits seit mehr als fünf Jahren unterwegs. Er war ein sehr redseliger Zeitgenosse und so dauerte es nur einen Abend, an dem er Nani die Geschichte zu seiner verloren Crew erzählte und wieso Alex früher abgereist war. Als Crewmitglied war Michel sehr erfahren aber als Kapitän musste er sich erst noch finden. Im Versuch mit dem Boot sowohl ein bisschen Geld zu verdienen, als auch Menschen ohne Segelerfahrung dem Ganzen näher zu bringen, hatte er zwei junge Frauen via Facebook an Board geholt. Angetrieben, den beiden etwas bieten zu wollen, waren die vier den Tag zuvor aufs Meer raus. Michel schien zu wissen wie rau die See zu dieser Jahreszeit werden würde und konnte einschätzen, dass es zwar ein wilder Ritt aber auch machbar war. Das konnte seine Crew leider nicht von sich behaupten und so artete der Ausflug in ein Desaster aus. Fehlende Sicherung der Dinge an und unter Deck sorgten für ein grandioses Chaos. Der Trinkwassertank entleerte sich mit 50 Litern im gesamten Schiffsraum, sämtliches Porzellan fiel zu Boden und zu allem Überfluss ging eins der beiden Dingis (der Beiboote) über Board sowie sämtliche Schnorchelausrüstung und Lebensmittel, die in einer Hängematte an Deck deponiert waren. Die Crew litt unter Seekrankheit und nachdem Michel das Schiff wieder in ruhigere Gewässer gelenkt hatte, stand der Wind ungünstig, sodass die Rückfahrt in den Hafen trotz Entfernung auf Sicht mehrere Stunden bedeutete. Ordentlich durchgerüttelt kamen alle gegen Mitternacht wieder an und scheinbar waren die beiden Frauen so geschockt, dass sie nur noch an Land wollten. Mitten in der Nacht reisten sie also von Bord und zurück blieben Alex und Michel. Michels Umgang mit der Situation schien auch Alex nachhaltig in ihrem Vertrauen erschüttert zu haben, denn auch sie verließ das Boot letztlich verfrüht.
Ods und Nani hörten sich die Story an und verstanden langsam aber sicher, in welche Situation sie da per Zufall gestolpert waren, aber gemeinsam hatten wir wirklich eine großartige Zeit im Hafen. Wir werkelten, kochten und genossen das Leben an Bord bei bestem Wetter und Gesellschaft.

Wir drei verstanden uns, lachten viel und hörten gute Musik. Michels Begeisterung war mehr als ansteckend und das Leben fühlte sich wie ein großes Abenteuer an. Das Boot hingegen machte einige Probleme. Der Motor funktionierte nicht richtig und auch der fehlende Außenmotor für das Schlauchboot war ein ernstes Problem. Hier im Hafen konnten wir uns damit arrangieren und an Land paddeln aber einmal abgelegt, würden wir uns in Gefahr bringen, wenn wir keinen sicheren Zugang zum Land hätten. So lustig die Zeit mit Michel und seiner ungetrübten Art auch war, Nani und ods beschlossen unter diesen Umständen nicht segeln zu wollen, auch weil uns jegliche Erfahrung fehlte und wir uns im Zweifel 100 % auf Michel verlassen mussten. Auch Michel schien zu dieser Erkenntnis zu kommen und schob den Tag des Ablegens weiter hinaus. Nani kam das gar nicht mal so ungelegen, war sie schließlich im gewohnten Rhythmus mit Bibo verabredet. Abends brachte Michel sie also an Land, wo es doch tatsächlich freies WiFi gab und versprach sie egal zu welcher Uhrzeit auch wieder an Board zu holen.
Nani suchte sich also einen guten Platz zum Videocall und zwei Akkuladungen, sowie einen vollkommen aus dem Ruder gelaufenen Streit später stand sie ziemlich aufgelöst am Ufer und sah Michel heran paddeln. Er sah natürlich, dass etwas so ganz und gar nicht stimmte und fragte vorsichtig nach. Nani wollte die Balance zwischen Aufrichtigkeit und Anstand wahren und Michel zeigte sich von seiner emphatischen Seite. Wir füllten noch einmal Wasser auf und aßen schließlich gemeinsam gegen vier Uhr morgens Baguette mit Frischkäse und Tomaten. Er gab sein bestes Nani aufzuheitern und schließlich schlüpfte sie ziemlich erledigt aber immerhin satt in den Schlafsack. Ods hatte den nächtlichen Ausflug verschlafen, rührte sich aber als Nani auch ins Bett kam und auch er merkte, dass dieses Telefonat nicht wie sonst gewesen sein konnte.
Die Nacht war kurz und der Liebeskummer am Morgen alles andere als verflogen. Nani versuchte sich an den Aufgaben des Tages, arbeitete an ihrem Projekt weiter, die Leiter zu fixieren, aber fand einfach keine Ausstieg aus dem Tränenkreislauf. Kaum beruhigt, fragte jemand etwas und Nanis Antwort ging irgendwo zwischen einem unterdrückten Schluchzen und dem Wellenrauschen unter. Der morgige Tag wäre eigentlich auch unser Abreisetag gewesen, weshalb ods und Nani, nachdem Michel von Board gegangen war, um ein neues Crewmitglied von Land abzuholen, bereits dabei waren die Rucksäcke zu packen.

Zwischenzeitlich trudelte die erste Nachricht von Bibo ein, die den emotionalen Ausnahmezustand, in dem sich Nani seit gestern Abend befand, auf die Spitze trieb. Nani war überzeugt, dass hier gerade unweigerlich eine zweite Trennung in Gange war und innerhalb weniger Augenblicke traf sie eine Entscheidung. Nani hatte selten so instinktiv gewusst was sie tun wird und das in dem Bewusstsein mit all den damit einhergehenden Konsequenzen gefühlt. Es schien fast so, als wenn die gesamte Reise sie auf diesen Moment vorbereitet hätte, hatte sie doch die letzten zwei Monate gelernt, für sich einzustehen, auf ihre Intuition zu hören, sich selbst zu vertrauen und dem Lauf des Universums nicht mehr entgegen zu arbeiten. Die innere Ruhe und Gelassenheit, das alles genauso käme, wie es müsse, kristallisierte sich in dieser Entscheidung. Alle Zufälle und Entscheidungen, wieso wir immer noch in Griechenland am Festland waren, das die Fähre so viel Verspätung hatte, dass ein klärendes Gespräch zwischen ods und Nani stattfinden konnte und zwischen Nanis Entscheidung und der Rückkehr von Michel gerade mal 15 Minuten lagen, machten die Entscheidung und die Radikalität der Umsetzung erst möglich.

Nani wird jetzt nachhause fliegen.

Flüge aus Athen sind ziemlich günstig und heute wird noch ein Bus in die Hauptstadt fahren. Die emotionale Tragweite für ods war ebenso enorm wie für Nani. Wir hatten uns immer geschworen nur in absoluten Notfällen heimzukehren und diese Reise gemeinsam zu bestreiten, unabhängig von unserer Partnerschaft. Nun stand Nani da also mit ihrer glasklaren Entscheidung und ods vor vollendeten Tatsachen. Unsere Beziehung hatte bereits einiges ausgehalten und war durchaus angespannt und strapaziert worden, aber in diesem Moment entschied ods, zu Nani zu halten. Er entschied, mit nach Athen zu fahren und Michel brachte uns binnen 20 Minuten an Land ohne große Nachfragen sondern ausschließlich mit Zuspruch und Optimismus. Er verstand die Dringlichkeit ohne große Erklärungen. Nani war zwar weiterhin traurig aber sich ihrer Sache sicher. Wir wussten nicht, wann der Bus fahren würde, nur dass vermutlich noch einer fuhr und trotzdem machten wir uns ohne Hektik mit einem Zwischenstopp bei der kleinen Kuchenmanufaktur auf den Weg zum Busbahnhof.

Was wäre ein großes Ereignis ohne Kuchen!

NEU: Dort angekommen stellte sich heraus, dass wir noch gute 1,5 Stunden Zeit hatten und die brauchten wir auch. Nani buchte ihren Flug für morgen, ods tröstete sie und wir packten die Rucksäcke um, sodass Nani alles nötige für ods zurück ließ und ohne Probleme ihr Gepäck am Flughafen aufgeben konnte. Ods würde nun ungefähr einen Monat lang alleine weiter nach Georgien reisen und brauchte allerlei nötigen Dinge, die wir bislang auf Nanis Rucksack aufgeteilt hatten.

Die Fahrt nach Athen war lang und wir sprachen ausgiebig über die Situation, während wir unsere Hände fest verschränkt hielten. Ods verstand, wieso Nani die Entscheidung getroffen hatte und dennoch war die Angst, dass Nani die Reise an diesem Punkt abbrechen würde sehr groß. Ods suchte ein Hostel fur Athen heraus und als wir schließlich mitten in der Nacht nach einem guten Fußmarsch durch die halbe Innenstadt, da leider die Metro streikte, ankamen, schliefen wir in dem Bewusstsein ein, dass Nani in gerade mal 12 Stunden in Hamburg sein würde. Gegen 5 Uhr in der Früh stand Nani wieder auf, um den Bus zum Flughafen pünktlich zu erreichen. Zuvor zelebrierten Nani und ods jedoch ein letztes feierliches Kuchenfrühstück mit Blick auf die Akropolis von der Dachterrasse des Hostels aus. Ein gebührender Abschluss des ersten gemeinsamen Reisekapitels, wie wir fanden. Mit schwerem Herzen verabschiedeten wir uns voneinander und Nani versprach auf jeden Fall zum verabredeten Zeitpunkt in Georgien zu sein. Dann ging die Heimreise los. Es war kaum zu fassen, aber die Strecke, die wir in zwei Monaten zurückgelegt hatten, überquerte Nani in nicht einmal fünf Stunden Flug.

Nach der Verabschiedung von Nani legte ods sich wieder schlafen, denn es war gefühlt noch mitten in der Nacht. Am nächsten Tag realisierte er erst so richtig, dass er nun für rund einen Monat alleine weiterreisen wird. Ods war in der Vergangenheit schon das ein oder andere Mal alleine unterwegs und er wusste aus Erfahrung, dass es schnell einsam werden würde. In Gesellschaft zu reisen ist für ihn einfach schöner, unbefangener. Eine*n Reisepartner*in zu haben, mit der*dem man gemeinsame Momente und Erinnerungen teilt. Die Chance, eine weitere Meinung einzuholen. Nicht alleine für alles verantwortlich sein zu müssen. Situationen, Überlegungen besprechen zu können. Gemeinsam Pläne zu schmieden und Entscheidungen zu treffen. All das fiel mit einem Mal weg. Der einzige feste Punkt, der blieb, war, dass er und Nani sich in rund sechs Wochen in Georgien wiedersehen würden. Bis dahin war er auf sich selbst gestellt. Damit das aber nicht so plötzlich startete, buchte ods für die nächsten Tage ein Bett in einem anderen Hostel, in der Hoffnung, mit anderen Reisenden in Kontakt zu treten. Die Idee ging sehr gut auf. Im Hostel waren zwei weitere Alleinreisende, alle auf andere Arten und mit anderen Erwartungen und Rahmenbedingungen unterwegs, doch alle einte der Wunsch nach (vorübergehender) Gesellschaft. So verbrachte ods die nächsten Tage zwischen Überlegungen, wie es für ihn nun weitergehen soll, klassischen Touri-Sightseeings in Athen und sehr unterhaltsamen Abenden im Hostel.

NEU: Bibo hatte währenddessen vehement versucht, Nani zu überzeugen, dass ein Rückflug nicht nötig sei und nachdem klar war, dass diese Entscheidung bereits getroffen wurde, kleinlaut gefragt, ob Nani nachhause komme um die Beziehung zu beenden. Nani hatte unterdessen ein Schlafplatz bei einem guten Freund abgeklärt, in der Annahme, Bibo wünsche sich erstmal Abstand. Wir waren beide arg verunsichert, was Nanis abrupte Heimkehr für die jeweils andere Person bedeutet.
Nachdem Bibo und Nani also jeweils klar gemacht hatten dass 1. Nani die Beziehung nicht beenden will, 2. ein Schlafplatz außerhalb unserer gemeinsamen Wohnung das letzte ist, was Bibo sich gerade wünscht und 3. Bibo Nani vom Flughafen abholen wird, weil trotz des Konflikts die Wiedersehensfreude riesig groß war, wich die Unsicherheit der Vorfreude. Davon beschwingt stieg Nani schließlich in Hamburg aus dem Flugzeug und wurde in die innigste Umarmung gezogen, die sich Mensch nur vorstellen kann. Die Welt war für diesen Moment heil und in Ordnung. Wir wussten nicht, ob wir den Konflikt als Paar überstehen würden aber wir wussten, dass wir beide mehr als glücklich waren uns berühren zu können und ließen uns erst nach einer gefühlten Ewigkeit wieder los. Bibo sah umwerfend aus und hatte Nani Blumen mitgebracht. All diese kleinen-großen Gesten setzten den Ton für unsere kommenden acht Wochen und soviel kann gesagt sein: Die Entscheidung eine Runde über Los zu drehen, hat Nani nicht bereut.

geerdet – Nani

für den nächsten Abschnitt bereit – ods

PS: Was danach geschah, lest ihr in den nächsten Berichten, die wir (hoffentlich) nicht erst in mehreren Monaten posten werden. Soviel sei verraten: Nani und ods erleben vollkommen unterschiedliche Abenteuer, weshalb die Berichte aus deren jeweiliger Perspektive geschrieben werden. Wir haben uns in Georgien wiedergesehen, aber aus sehr unterschiedlichen Gründen kurz darauf wieder getrennt und gehen seitdem unsere eigenen Wege. Ob wir uns irgendwo auf der Reise wieder treffen? Das wissen wir selbst nicht wirklich und überlassen das gerade dem Zufall. Diesen Blog und die Gelegenheit, von der Reise zu berichten, wollen wir erst einmal weiter nutzen und führen.

PPS: ods‘ Reise kannst du mittlerweile auf FindPenguins verfolgen, sogar fast in Echtzeit. Du brachst daür die App nicht herunterladen. Der Link funktioniert auch im Browser. Er freut sich über einen Besuch auf der Seite! https://findpenguins.com/5vs5pkqmsqrab/trip/6a1937f1ef9d66-80181707?s=d15c0a79e39f48729b6985b49c9eff2a600ac066

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