Weil Verbindung manchmal auf der Suche nach der passenden Gaskatusche zu finden ist

Bevor ich los gereist bin, habe ich mich dazu entschlossen neben meinem Spirituskocher auch noch einen Gasbrenner zum Kochen mitzunehmen. Ausgestattet mit einem Trangiasturmkocher, geisterte mir dieser Gedanke schon eine Weile durchs Hirn. Dieser wird nämlich standardmäßig mit Spiritus betrieben. Spiritus ist ein durchaus gut funktionierendes Brennmittel aber es hat auch seine Tücken. Bekommst du etwa einen winzigen Tropfen Spiritus an die Finger oder aber in deinen Kochtopf, so ist dein Essen sofort und unwiderruflich ekelhaft bitter. Dem 99%igen Alkohol ist, damit er ungenießbar ist, ein Brechmittel beigefügt. Außerdem muss die Menge des Brennstoffs vorher abgeschätzt werden und im Zweifel verschwendet man einiges oder muss waghalsig nachgießen und riskiert sich die Finger zu verbrennen… Der ausschlaggebende Punkt ist jedoch, dass Spiritus im Ausland nicht immer so einfach zu bekommen ist, genormte Gaskatuschen aber schon. Dachte ich zumindest.

Kurz vor Weihnachten erreichte mich dann die Frage, was ich mir denn wünsche, jetzt wo ich meinen Hausstand auf ein Minimum reduzierte und so schickte ich ganz unromantisch meiner Tante den entsprechenden Link zum Trangia Gaskochereinsatz, den sie mir dann auch eingepackt und mit einer Schleife geschmückt an Heiligabend überreichte. Bibo sponserte noch die erste passende Gaskatusche, während ich meinen Rucksack final packte und so wurde die Frage des Brennmittels bereits jetzt ein  kleines Gemeinschaftsprojekt. Die meisten Sachen, die ich besitze, habe ich geschenkt bekommen. Ich liebe es, wenn meine häufig genutzten Gegenstände von meinen geliebten Menschen  stammen, da ich eine Verbindung zu ihnen und meiner Art, wie ich die Dinge pflege, herstelle. Mit materialisierter Liebe im Gepäck machte ich mich also auf und verbrauchte mein Gas fürs Kochen und Kaffee machen. Ich war von der Handhabung mehr als begeistert und machte mich, als sich die angebrochene Kartusche dem Ende zuneigte, auf die Suche nach einer Neuen und fand sehr schnell die passende EN417 in irgendeinem griechischen Supermarkt. Ich stellte dann beim Versuch die neue Katusche anzubringen fest, dass die Nummer zwar stimmte, der Aufsatz allerdings kein Dreh- sondern Steckgewinde besaß und somit nicht zu meinem Gasschlauch passte. Ernüchtert ärgerte ich mich über mich selbst, da ich noch in dem Glauben war mich in der Dose vergriffen zu haben; hatte ich doch sehr akribisch nach der richtigen geschaut! 

Einige Kilometer weiter im nächst größeren Ort lief ich dann an einem etwas ramschig-rustikalen Outdoor Geschäft vorbei und fand dort eine kleine ältere griechische Dame, die zwar kein Wort englisch, dafür aber mit dem Herzen und ihrem gesamten Körper sprach! Ich gestikulierte in Richtung der Campingkocher und zog diverse Modelle der Gaskatuschen heraus bis ich das mit meiner Nummer fand. Überschwänglich freute sich die Ladenbesitzerin mit mir über den Fund, zückte eine blaue Tüte und drückte mir diese samt meinem wertvollen Inhalt entgegen. Ich war dabei mein Geld aus der Hosentasche zu fischen aber die Frau verweigerte inbrünstig meinen Willen die Dose zu bezahlen. Fast in ein kleines Handgemenge kommend, dass ich doch mein Portmonee wieder wegstecken solle, beharrte sie darauf mir die Dose schenken zu wollen. Sie zog mich letztendlich beherzt zu sich runter in eine Umarmung, lachte und freute sich über meine doch etwas verdutze Reaktion, bis ich mich besann und sie freudig zurück drückte, bevor ich winkend und ihr Luftküssen zuwerfend den Laden verließ. So eine liebevolle Begegnung über den Versuch eines Gaskatuschenkaufs hatte ich mir nicht ausgemalt und doch war es genau das, was ich gebraucht hatte. Ich stellte wenig später fest, dass diese Kartusche dieses Mal statt eines Dreh- oder Steckgewindes eine Stechkatusche war. Auch diese passte trotz richtiger DIN-Nummer nicht zu meinem Kocher und ich habe jetzt wohl alle Möglichkeiten der existierenden Campingkocheranschlüsse kennengelernt.

Ich jammerte  Bibo, halb ernst halb selbstironisch, darüber vor, dass ich mir wünsche, dass das doch einfach jemand für mich machen soll. Ich hatte einfach keine Lust mich mit solch einer nervigen Suche zu befassen, wo ich doch schon zwei mal zu doof war den richtigen Ersatz zu besorgen. In dem Projekt, in dem ich gerade vor Unwetter und Sturm untergeschlüpft war, berichtete ich einem anderen Reisenden  beiläufig von meiner Misere, als ich erklärte heute nochmal in einen Supermarkt zu müssen. Ich versuchte es in einem dritten Laden, öffnete heimlich, so wie der Reisende in unserem Gespräch angemerkt hatte, die Verschlüsse um die Gewinde der Dosen vergleichen zu können und fand dann doch nicht das Gesuchte. Frustriert gab ich auf ohne zu merken, dass ich eine Dose übersehen hatte. Später beim gemeinsamen Einkauf für alle machte sich besagter Mensch auch noch einmal an dem Regal mit den Brennmitteln zu schaffen. Ohne dass ich überhaupt nach Hilfe gefragt hatte, fand er für mich die eine Dose, deren Verschluss ich nicht überprüft hatte und überreichte mir feierlich das richtige Drehgewinde! Gerührt davon, dass mein kindischer Wunsch tatsächlich erfüllt worden war, hielt ich nun neben meiner neuen Gaskatusche etwas viel wertvolleres in den Händen. 

Über die Frage, welches Brennmittel ich benutzen will, ergaben sich gleich vier Herzenserinnerungen von Menschen, die ich liebe und von Menschen die ich gerade erst kennengelernt hatte. Ich durfte spüren, ich bin nicht allein und die Hilfsbereitschaft endet nicht an meiner Haustür. Man sollte meinen, das wüsste ich längst, wenn man bedenkt, dass ich nur durch diese riesige kollektive Hilfsbereitschaft überhaupt soweit von Zuhause weggekommen bin. Diese Welt ist voller Menschen, die helfen und dir eine Extraportion Liebe entgegen bringen, wenn du nur bereit bist dich mit deinen Schwierigkeiten, mögen sie vielleicht noch so lächerlich erscheinen, zuzumuten.

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