22.01.-25.01.2025 ods‘ Reisebericht
Nun wollten wir also einzeln nach Dubrovnik reisen. Ods stellte sich als erster von uns beiden an die Straße Richtung Süden. Nebenbei hat sich bei uns das Gefühl eingeschlichen, dass wir ein Tramp-Wettrennen machten, wer zuerst in Dubrovnik ankommen würde. Ods war gespannt, ob er alleine besser durch Kroatien käme als mit Nani zusammen. Einerseits ist eine einzelne Person schneller als zwei, denn es lohnt sich, auch Autos mit weniger freien Plätzen wie z.B. einen Smart anzutrampen (von denen es in Kroatien nicht wenige gibt). Andererseits hat ods als allein reisender Mann den Nachteil, dass Menschen ihm erfahrungsgemäß mit mehr Misstrauen begegnen. Leute haben eher Angst davor, wenn ein Mann am Straßenrand steht und mitgenommen werden will, weshalb ods wohl schlechter wegkommen würde. Die Erfahrung zeigt, dass zum Beispiel Frauen, die alleine im Auto fahren, grundsätzlich weniger wahrscheinlich für einen Mann anhalten. Deshalb ging ods davon aus, dass Nani als erste am Zielort Dubrovnik ankommen würde. Allerdings gehört auch immer eine gute Portion Glück dazu, wie gut man am Tag vorankommt und wo man am Ende landet. Mal schauen, wem die Trampgötter gewogen sind.

Mit diesen Gedanken stand ods am Ende der Hauptstraße von Omiš und versuchte nun also sein Glück. Nach einer geschlagenen Stunde dort gab er den Trampspot jedoch auf und ging zu einem Parkplatz, den Nani als ihren Startpunkt ausgesucht hatte. Manchmal muss man seinem eigenen Glück auch etwas nachhelfen, besonders wenn es nur schleppend voran geht. Da Nani nicht am Parkplatz zu sehen war, ging ods davon aus, dass sie mittlerweile weit voraus war. Hier hielt tatsächlich recht schnell ein älterer Mann an, der ods einsammelte. Er fuhr jedoch nur wenige Dörfer weiter, um dort einen Kaffee zu trinken und schließen wieder zurückzufahren. Außer ihm war noch sein kleines Hündchen im Auto, welches sich die Fahrt über ankuscheln und unbedingt gestreichelt werden wollte, was ods auch liebend gerne tat. In Mimice stellte ods sich gegenüber eines Supermarktes hin, bis ein Auto hielt, aus dem Nani freudestrahlend heraus schaute. Offenbar war sie doch erst später aus Omiš gestartet. Ihr Lift sammelte auch ods ein und lachend fuhren wir gemeinsam nach Makarska. Soviel also zu dem Plan, einzeln weiterzureisen. Im Ort trennten wir uns aber wieder auf und suchten uns jeweils eine Bushaltestelle als nächsten Spot aus. Dort hatte ods das Glück mit einem richtig schicken Oldtimer aus den 60er Jahren mitfahren zu dürfen. Der Fahrer erzählte stolz von seinem Auto, das noch nahezu vollständig aus Originalteilen und dem originalen Lack bestand. Winkend fuhr ods so an Nani vorbei, als sie ein Stück weiter im Ort den Daumen raushielt. Nun hatte ods also wieder die Nase vorn. Doch der Oltimer-Fahrer fuhr erneut nur ein kurzes Stück zu einem weiteren Küstenort. Im vierten Lift des Tages saß eine Mutter mit ihrer Tochter, die ods mitsamt Rucksack ohne zu zögern ins Auto einluden. Offenbar sah ods alleine doch nicht so gefährlich aus wie befürchtet. Sie fuhren bis kurz hinter Ploče und gaben auf dem Weg dorthin ausführlich Ratschläge, wie man weiter Richtung Dubrovnik vorankommt. Doch an diesem Tag halfen die Tipps auch nicht mehr, so schien es. Ich stand noch länger an der Straße, doch die Autos wurden zum Nachmittag hin immer seltener, sodass es schnell langweilig wurde und ods sich vom Tampspot aus umsah. Ein nicht fertiggestellter und halb vergessener Rohbau, den er schon früh erblickte, lachte ihn irgendwie schon von weitem an. Als es langsam dunkel wurde, schulterte ods also den Rucksack und schaute sich die Örtlichkeit einmal an. Zwischen ausgehärteten Zementsäcken und herumliegenden Ytongsteinen fand er im zweiten Stockwerk den einzigen Raum vor, der nicht von den umliegenden Häusern eingesehen werden konnte. Dort stand zu seiner Überraschung ein improvisiertes Lattenrost mitten im Raum, welches jemand auf Steinen erhöht hingestellt hatte. Die aufgebaute Schlafstätte wirkte jedoch, als sei sie seit längerem nicht genutzt worden und auch sonst gab es keine Anzeichen, dass hier regelmäßig jemand ein und aus ging. Also bezog er den Platz für die Nacht und freute sich über den trockenen und gemütlichen Schlafplatz. Auch wenn der Platz auf den ersten Blick ein wenig gruselig wirkte, war es doch ein guter Ausgleich für den eher zähen Tramptag. Es gab dort sogar einen kleinen Vorsprung, der als Balkon diente und auf dem bereits eine improvisierte Sitzbank errichtet wurde. Ods saß während dem Abendessen auf der Bank und laß dort anschließend bei sehr schönem Ausblick auf eine See.

Die Nacht war schön ruhig. Allerdings bemerkte ods irgendwann, dass es auf den Balkonvorsprung regnete und das Wasser von dort langsam im Raum und unter dem Lattenrost ausbreitete. Das Lattenrost war zum Glück erhöht, doch kam die Befürchtung auf, dass der Rucksack in einer Pfütze liegt. Doch zum Glück lagen alle Sachen trocken. Am nächsten Morgen gab es Frühstück auf dem Balkon bei herrlichem Ausblick , ehe ods sich wieder an die Straße stellte. Nach einiger Zeit hielt ein Truckfahrer, der anbot, ods in Ston rauszulassen. Das passte perfekt, denn schon vor einigen Tagen wurde von jemandem der Ort als sehr sehenswert empfohlen, denn das Highlight von Ston war neben den niedlichen historischen Gassen die Stadtmauer, die über einen Hügel bis zu zum nächsten Ort reichte und irgendwie an die Chinesische Mauer erinnerte. Als wohl einziger Tourist des Tages bestieg ods die Mauer. Oben angekommen überlegte er lange, ob es sich wohl lohnen würde, hier oben oder in einem der Türme übernachten zu können. Der Ticketverkäufer am Eingang wirkte nicht sonderlich motiviert, als dass er abends hier entlanglaufen und kontrollieren würde. Ods entschied sich dann aber doch dagegen, denn kein Turm hatte ein Dach und da es wieder eine regnerische Nacht werden sollte, wollte er sich einen etwas geschützteren Schlafplatz suchen. Außerdem war es noch nicht so spät, sodass man vielleicht noch ein Stück weiter getrampt kam. Zudem meldete Nani kurz, dass sie bereits in Dubrovnik angekommen ist. Vom Ehrgeiz gepackt ging ods also auf der anderen Seite der Mauer wieder herunter und stellte sich an die kleine Dorfstraße.

Doch unglücklicherweise hielt kein Auto an, das weitergeholfen hätte, also wanderte ods ein Stück die Straße entlang, bis sich ein Olivenhain fürs Nachtquartier anbot. Bereits auf einer früheren Fahrt in Spanien erwiesen sich Olivenhaine als sehr gute Schlafplätze, konnte man doch zwischen den ausladenden Baumkronen vor Kälte geschützt sein Zelt aufschlagen. Also wurde auch hier zwischen den Bäumen das Zelt aufgebaut. Doch in der Nacht regnete es sehr stark, sodass sich die Feuchtigkeit selbst unter den Bäumen ausbreitet und am nächsten Morgen krabbelte ods früh aus dem etwas feuchten Schlafsack und machte sich eilig auf den Weg. Nur etwa 200 m vom Schlafplatz entfernt befand sich eine kleine Kapelle mit frei zugänglichem, überdachtem Vorraum. Ein wenig ärgerte ods sich, dass er den Platz nicht schon am vorherigen Abend fand, doch überwog die Freude über den trockenen Platz für das Frühstück und über das fließende Wasser vom angrenzenden Friedhof. Von der Dorfstraße aus fand ods bald einen Fahrer, der ihn bis zur nächsten größeren Straße brachte. Unterwegs empfahl er wärmstens den Bus, der aber erst in drei Stunden kommen würde, wie ods nach langem Studieren des Busfahrplans entnahm. Deutlich schneller fand sich ein Autofahrer, der bis nach Albanien fuhr. Doch musste ods das Angebot mit nach Albanien zu kommen ablehnen, denn wir hatten uns für den Tag in Dobrovnik verabredet. Stattdessen ließ er ods oberhalb von Dubrovnik raus. Es ging, einfach immer die Stufen der steilen Gassen hinab, in die Altstadt von Dubrovnik. Dort konnte man ganz gut die Zeit damit verbringen, die Regenschauer abzuwarten, ehe er unsere verabredete Unterkunft ansteuerte.
Die Unterkunft erwies sich als keines, kuscheliges Zimmer, in dem Nani eingecheckt war. Tatsächlich war es eine Freude sich wiederzusehen. Voller innerer Unruhe tauschten wir erstmal unsere Erlebnisse der letzten Tage aus. Da unsere Sachen teilweise ein bisschen feucht waren, spannten wir eine Wäscheleine quer durch den Raum und hängten Schlafsack sowie frisch gewaschene Klamotten auf. Damit wirkte der ohnehin schon kleine Raum wirklich sehr voll. Dennoch verbrachten wir viel Zeit hier, denn es war wie angekündigt ein sehr Regen- und Gewitterreicher Tag. Zum Glück gab es im Nebenraum eine Gemeinschaftsküche, die außer von uns von niemandem genutzt wurde, sodass wir uns aufteilen konnten und jede*r ein eigenes Zimmer hatte. Für den Abend hatte ods ein kleines Konzert rausgesucht, welches in der Stadt stattfand. Er war zuvor zufällig auf ein Werbeplakat aufmerksam geworden, das überall in der Stadt hing und meine immer noch bescheidenen Kroatischkentnisse reichten aus, um festzustellen, dass das Konzert am heutigen Abend stattfinden würde. Das Plakat wirkte irgendwie ansprechend, also wurde schnell ein Ticket gebucht. Ods ging hin, ohne so recht zu wissen, was auf ihn zu kam. Das Konzert war tatsächlich sehr gut. Es traten zwei lokale Bands auf, der Musikstil lies sich nicht richtig zuordnen. Es war irgendetwas zwischen Rock, Elektronisch und Experimentell, aber insgesamt sehr stimmig. Zudem konnte ods eine schöne, historische Veranstaltungslocation kennen lernen, in der wohl regelmäßig Kulturveranstaltungen stattfanden.

Auch der nächste Tag war sehr regnerisch und lud nur wenig ein, die Herberge zu verlassen und die Stadt zu entdecken. So nutzten wir die Zeit als Ruhetag, faulenzten in der Herberge und schauten unserer Wäsche beim Trocknen zu, bis der Hunger einen daran erinnerte, dass uns gerade eine voll ausgestattete Küche zur Verfügung steht, in der wir auch mal etwas aufwändiger als nur unsere üblichen One-Pot-Gerichte zubereiten konnten. Wir kreierten also aus unseren Reserven ein richtig gutes Essen und konnten so am nächsten Tag satt, erholt und gut vorbereitet wieder aufbrechen.
erholt und motiviert – ods

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