17.01.-21.01.2026
In Jablanac gesunken
Über die Landstraße reisend wechselten unsere Mitfahrgelegenheiten häufiger, da es nun von Ortschaft zu Ortschaft ging. Insgesamt schafften wir es so aber recht schnell rund 90 km mit vier Autos bis zu einem kleinen Küstenort zurückzulegen. Ein Pärchen sammelte uns zuletzt ein und nahm uns mit an diesen beschaulichen verschlafenen Ort namens Jablanac, wo wir eine Mittagspause bei strahlendem Sonnenschein und das erste Mittelmeerfußbad verbrachten. Das Paar schaute sich eine Sehenswürdigkeit an: In einer der kleinen Buchten lag ein versunkenes Schiffwrack aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie wollten uns im Anschluss wieder zurück zur Hauptstraße nehmen. Pünktlich zur verabredeten Zeit sahen wir sie mit ihrem wirklich süßen Labradoodle heran laufen und sie fuhren uns die vier km den kurvigen Serpentinenweg wieder hinauf.

Gegenüber einer Tankstelle, gefühlt mitten im Nirgendwo, standen wir den restlichen Nachmittag bis zum Sonnenuntergang vergeblich unter den neugierigen Blicken der kommenden und gehenden Besucher der Tankstelle. Dies war gleichzeitig die inoffizielle Kneipe der umliegenden Ortschaften, an dem sich die Männerrunde zum Rauchen, Bier trinken und klönen traf. Mal wieder vom Tramperglück verlassen gesellten wir uns dazu. Nani fing das Gespräch mit einem der Männer an, der uns besonders interessiert musterte und vor allem derjenige war, der sehr gut Englisch sprach. Der Slowene, der bereits seit einigen Jahren in Jablanac lebte, erzählte vom lokalen Wetter und das er hier früher, vor der Wirtschaftskrise 2008, eine Tauchschule geleitet habe. Je länger wir der örtlichen Runde beistanden und desto mehr Neuankömmlinge dazu kamen, desto temperamentvoller wurde angefangen sich über unser Schicksal zu unterhalten und wo wir heute Nacht wohl unterkämen; auf Kroatisch versteht sich. Wir standen also daneben, vollkommen ahnungslos was genau dort besprochen wurde, während der Slowene versuchte das Geschen in Echtzeit zu dolmetschen. Am Mittag hatte Nani bereits einen guten Spot zum Schlafen gesehen und wir waren bereits drauf und dran uns von dem immer angetrunkeneren Slowenen wieder in den Ort fahren zu lassen, als zufällig der Mann der örtlichen Herbergsbesitzerin ankam. Dieser wurde zuvor mehrfach vergeblich angerufen. Schnurstracks erzählten die anderen von unserer Situation und innerhalb von fünf Minuten verluden wir unsere Rucksäcke vom Auto des Slowenen in sein Auto. Er würde uns gleich mit runter nehmen aber vorher wird noch ein Bier geschlürft. Nun endgültig aufgenommen, wurden uns zwei Limos ausgegeben, und wir unterhielten uns mit Händen und Füßen auf deutsch und kroatisch. Manchmal braucht es nicht viel Worte um dem Dorfstammtisch sympathisch zu werden.
Der Herbergsvater brachte uns kurz darauf wieder über die Serpentinen runter nach Jablanac zum Hostel. Sein Sohn, der Englisch sprach, zeigte uns den Schlafraum, während die Herbergsmutter rauchend im Wohn- und Aufenthaltsraum die ‘Rezeption’ managte. Wir waren allerdings, neben einem weiteren kroatischen Paar, die einzigen Gäste, sodass genug Zeit zum Rauchen und Quatschen blieb. Als erstes machten wir in der Gästeküche unser Abendessen, während sich das Wohnzimmer langsam mit weiteren Menschen füllte, teils mit bereits bekannten Gesichtern von der hiesigen Dorfkneipen-Tanke. Als wir uns dann mit unserem Essen dazusetzten, wurde bereits bei bester Laune getrunken, geraucht und aus vollem Hals kroatische Lieder aus der Dose mitgesungen. Während wir zunächst etwas verschüchtert in der Ecke unser Abendessen aßen, beobachteten wir die Leute beim feiern. Nani hat sich schnell für ein Telefonat zurückgezogen, während ods sich zu der Runde setzte, ohne auch nur ein Wort von dem zu verstehen, was gesungen und gesprochen wurde. Der eine weitere Gast, Leo, sprach ods auf deutsch an und erzählte, dass er hier im Hafen einen Traditionssegler hat, mit dem er uns am nächsten Tag mit nach Zadar nehmen könne. Ein Jackpot für uns! Spätestens mit diesem Angebot war ods nun ein Teil der gar lustigen Gemeinschaft, bis sie sich zu nicht allzu später Zeit plötzlich auflöste und alle in Richtung ihrer Zuhause verschwanden.
Am nächsten Tag stand noch immer der Plan mit Leo und seiner Freundin mit dem Segler nach Zadar zu schippern . Allerdings wollte er erst später am Tag los, sodass wir den Vormittag mit den beiden im Wohnzimmer der Herberge verbrachten, während die Herbergsmutter Kaffee kochte und für genügend Zigaretten sorgte. Leo lud uns noch ein, gemeinsam zu Mittag zu Essen. Das hieß aus Leos Sicht, dass die beiden Frauen kochten, während die Männer mit dem Handy kurze Werbevideos für die Herberge drehten und den Tisch deckten. Wir alle vier aßen bei bestem Sonnenschein gemeinsam auf der Terrasse mit herrlichem Blick über den Ort und die Bucht. Zum Ambiente des Gasthauses gehörte auch ein ganz süßer und zutraulicher Kater, der immer dann besonders schmusig war, wenn gegessen wurde. Nach dem Mittagessen machten wir alle einen Nachmittags-Spaziergang zur Bucht mit dem gesunkenen Schiffswrack. Der Stahlrumpf des im Zweiten Weltkrieg versenkten Schiffs reichte bis knapp unter die Wasseroberfläche und war im türkisen, klaren Wasser deutlich zu sehen.

Mit Leo in Zadar
Während sich die Sonne langsam dem Horizont näherte, ahnten wir bereits, dass wir langsam aufbrechen sollten, wenn wir mit dem Boot nach Zadar wollten, da der Bora, ein durch die Landschaft geprägter heftiger Wind, gegen Abend meist ordentlich Fahrt aufnahm. Hier entstehen Windböen mit bis zu 200 km/h, die mit einem renovierungsbedürftigen Schiff wohl besser nicht zu nehmen sind.
auch Leo schien dies zu bedenken und entschied nach einem kurzen Gespräch mit einem einheimischen dann doch das Auto zu bemühen. Nach ca zwei Stunden und einem kurzen Zwischenstopp irgendwo an irgendeiner Bar zum Rauchen und um noch ein weiteres alkoholisches Getränk zu konsumieren, gab Leo die Schlüssel dann seiner zum Glück weitaus weniger angetrunkenen Freundin, die uns dann sicher nach Zadar fuhr. Die beiden schwärmten von einem Pfannkuchen-Restaurant, in dem wir dann auch prompt einkehrten. Dort gab es Pfannkuchen in Hülle und Fülle, in süß und herzhaft, frittiert und mit jeder erdenklichen Füllung. Auf Nachfrage konnte sogar eine vegetarische herzhafte Variante gemacht werden. Begeistert schlugen wir uns die Bäuche voll und fuhren anschließend in Leos Wohnung. Er überließ uns freigiebig sein Zimmer und die Wohnung, lediglich sein Sohn würde die Nacht noch von einer Klassenfahrt heimkehren. Den angekündigten Sohn sollten wir allerdings während unserem gesamten Aufenthalt mit Leo nicht mehr kennenlernen und wir nutzten den folgenden Tag für einen Städtetrip in die schöne Altstadt Zadars.

Neben dem hiesigen Touristenprogramm stand für uns vor allem eins auf unserer Tagesordnung: Wäsche waschen. Leos Waschmaschine war Nani zu suspekt, da Leo weder Waschmittel besaß noch sonst einen Hinweis darauf zu finden war, dass das Gerät in jüngster Vergangenheit in Betrieb genommen wurde. Da der Wasserschlauch bereits leicht defekt war und tropfte, entschieden wir uns den abzusehenden Wasserschaden lieber zu vermeiden und dafür eine Stunde im örtlichen Waschsalon rumzuhängen. Hier trafen wir einen lieben Kroaten, der ebenfalls seine Wäsche trockneten und unterhielten uns über Land, Leute, Reisen und sonstige Banalitäten. Die kroatische Offenherzigkeit mit jedem und überall ein Gespräch zu beginnen, einfach weil man sich gerade begegnet, sagte besonders Nani sehr zu. Wir verabschiedeten uns und machten uns auf die Altstadt zu erkunden. Wir streiften durch die Gassen und gelangten schließlich an eins der Highlights der Stadt. Die Stufen der Promenade wurden mit Hohlräumen gebaut, sodass eine sogenannte Meeresorgel entsteht. Die Wellen des Meeres erzeugen so einen Klang, der an eine Orgel bzw Wahlgesänge erinnerte. Hör doch mal rein!
Hier verweilten wir bis der Hunger uns einholte und wir immer noch von den gestrigen Pancakes schwärmend feststellten, dass die Lokalität einen zweiten Laden in der Altstadt hatte. Wir gingen also ein weiteres Mal ins pancake house und genossen diesmal umgekehrt süße und herzhaftgefüllte Pfannkuchen.

Alfred Hitchcock hat einmal gesagt, dass in Zadar die magischsten Sonnenuntergänge zu sehen seien. Davon umgetrieben wollten wir auf den Kirchturm, da von hier der beste Blick zu erhaschen sei. Der Aufstieg sollte uns allerdings ein kleines Vermögen kosten und da Nani die Orgel eh viel cooler fand, gingen wir einfach nochmal dort hin. Nun mag es vielleicht an unserer Knauserigkeit gelegen haben, aber selbst mit akustischer Untermalung war der Sonnenuntergang an diesem Abend zwar wirklich schön, die Einzigartigkeit, die Hitchcock dem ganzen Naturschauspiel zugeschrieben hat, ließ sich für uns jedoch nicht feststellen. Nichtsdestotrotz genossen wir den Anblick und machten uns im Anschluss auf den Weg zurück in unsere Unterkunft. Dort angekommen, weckten wir Leo aus seinem verlängerten Nachmittagsschläfchen und erschreckten ihn fast zu Tode, als wir gegen die Balkontür hämmerten. Wir hatten keinen Schlüssel und wussten uns nicht anders zu helfen, als lautstark auf uns aufmerksam zu machen. Kurz gesammelt, war Leo dann aber ganz froh, da er sonst seine Verabredung verschlafen hätte. Wir quatschten noch kurz und da verabschiedete er sich auch schön wieder. Nani beschloss, immer noch tief bewegt von der mystischen Stimmung, die die Meeresorgel erzeugte, noch einmal den Weg in die Altstadt zu überbrücken, um das dortige Lichtspiel bei Dunkelheit noch einmal in Kombination mit der Musik bewundern zu können. Die Lichtinstallation war am Tage nicht zur Geltung gekommen. Ods hingegen lies den Abend gemütlich ausklingen.
Die Gastfreundschaft Leos sollte Nani noch eine Weile beschäftigen, denn obwohl Leo so großzügig gewesen war und uns ohne Umschweife aufgenommen hatte, ließ uns ein gewisses Unbehagen nicht los. Wir nahmen an, dass die Wohnung eigentlich kaum von Leo bewohnt wurde, da es weder eine Heizung, noch Klopapier oder einen funktionierenden Herd gab und auch insgesamt der Allgemeinzustand eher nicht dafür sprach, dass sich hier jemand heimisch eingerichtet hatte. Auf Nachfrage stellte sich dies als falsch raus und Leo erzählte, dass er und sein Sohn hier seit einigen Jahren zusammen lebten. Dieser kurze aber nahe Einblick in das ungeschminkte Leben in Kontrast zur eigenen Anspruchshaltung an einen ‘angemessenen’ Lebensstandard machte Nani grüblerisch. War die Annahme nicht unheimlich vermessen gewesen? War es Naivität oder Hochnäsigkeit gewesen, zu urteilen, dass so kein dauerhaftes Wohnen aussehen könne? Unsere Dankbarkeit war auf der einen Seite riesig, gleichzeitig waren wir auch heilfroh, als uns Leo am nächsten Morgen liebenswürdigerweise auch noch Starthilfe zu einem guten Trampspot in Zadar gab und wir unsere Weiterreise nach Omiš fortsetzten. Leos Begegnung hat die Vielschichtigkeit des Lebens in wenige Tage gefasst: Nahezu grenzenlose Gastfreundschaft, Urvertrauen in Mitmenschen und komplexe Familien- und Lebensumstände, in die wir als Reisebekanntschaft gestolpert sind.
Weiter nach Omiš
Bis nach Omiš brachten uns drei Autos und ein Bus. Während einer der kurzen Autostops liefen wir durch ein Örtchen, um eine bessere Stelle zum Stehen zu finden, als eine ältere Dame mit Obst- und Gemüsestand vor ihren Haus uns begeisterter zuwinkte. Wir wechselten die Straßenseite zu ihr, während sie immer noch total aufgeregt von ihrem Stuhl vorm Haus durch den Vorgarten auf und zu lief und anfing in kroatisch englisch und deutsch gleichzeitig mit uns zu reden. Sie war goldig, dankte Gott für alles und brachte uns noch kurz bei, wie man enthusiastisch auf die kroatische Frage ‚Wie geht es euch?‘ antwortet. Sie fing an uns Unmengen an Kiwis in eine Plastiktüte zu füllen und ließ sich auf gar keinen Fall davon abhalten uns diese zu schenken. Wir kauften uns also noch einen Apfel von ihr, um irgendwie die Großzügigkeit ihrerseits zu beantworten und machten uns mit unserem 3 kg-Beutel Kiwis und einem strahlenden Herz weiter auf die suche, jetzt mit Obst aus dem eigenen Garten mampfend. Die Kiwis waren großartig.
In dem hübschen Örtchen Omiš angekommen, gingen wir unserem Kaffee-Ankommensritual nach und suchten mithilfe von Maps einen geeigneten Schlafplatz. Glücklicherweise hatten die Strandbars außerhalb der Saison zu, sodass wir unser Lager direkt am Strand aufschlagen konnten und sogar das Wifi der Bars nutzen konnten. Wir entschieden uns zunächst einen weiteren kleinen Zwischenstopp zu machen, auch um einiges an emotionalen Themen zu sortieren. Nach drei Wochen konstanter gemeinsamer Zeit kamen Konflikte auf und wir beschlossen eine Auszeit voneinander zu nehmen. Die nächsten rund 200 km bis nach Dubrovnik wollten wir getrennt voneinander trampen. Passend zum schlechter werdenden Wetter hatten wir dort ein Hostel gebucht, in dem wir uns wieder treffen wollten. Gesagt, getan. Den nächsten Reisebericht gibt’s also gleich in doppelter Ausführung.
aufgewühlt und erfahrungsreicher – Nani und ods


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