Wie wir dem Winter entfliehen

10.01.-16.01.2026

Augsburg bis Salzburg

In Augsburg hat uns eine sehr nette Familie aufgenommen, die jedoch erst nach uns ankommen würde. Doch sie waren so zuvorkommend, dass sie für uns die Kellertür offen ließen, damit wir einfach hinein schlüpfen konnten. Allerdings fühlten wir uns wie Einbrecher, vor allem, weil aus dem oberen Stockwerk Stimmen zu hören waren. Nach einigem Zögern und Überlegen, ob wir doch an der vorderen Haustür klingeln sollten, gingen wir die Kellertreppe hinauf. Mit Erleichterung stellten wir fest, dass es ein Zweiparteienhaus war, und die Geräusche aus der anderen Wohnung kam. Also machten wir es uns in dem kleinen, aber warmen Kellerzimmer gemütlich. Später kam die Familie nach Hause und lud uns auf einen Tee in deren wirklich sehr gemütlicher Küche ein, während die Kinder ins Bett gebracht wurden. Wir tauschten noch ein paar Tipps für Backpacker aus und ods nutzte die Dusche, ehe wir in unser Bett fielen.

Nach einem gemeinschaftlichen Frühstück packten wir unsere Sachen und zogen weiter. Der Nahverkehr brachte uns an die örtliche Raststätte an der Autobahn und bei bestem Wetter und guter Laune machten wir uns daran, unseren nächsten Lift zu ergattern. Gleich das erste Auto, was Nani ansprach, stimmte zu uns bis nach Irschenberg vor Rosenheim mitzunehmen. Wir konnten unser Tramperglück kaum fassen und landeten prompt im Stau. Endlich an der nächsten Raststätte angekommen, machten wir eine kurze Mittagspause und beschlossen dann, uns mit einem Schild an der Ausfahrt des Parkplatzes zu positionieren, wo reges kommen und gehen war. Nach kurzer Wartezeit und ein paar Pläuschchen nahm uns schließlich jemand mit nach Salzburg. Er setzte uns mitten in der Stadt ab und wir suchten uns erst einmal ein Café in der Nähe des Bahnhofs aus. Wie wir so her liefen, fanden wir ein von außen sehr nett aussehendes Café, was damit warb vegan und nachhaltig zu sein. Als wir uns jedoch gemütlich eingerichtet hatten, stellten wir fest, dass wir in einem Guru-Kaffee gelandet waren. Alles war einem einzelnen Guru gewidmet und wir wurden von betörender Meditationsmusik bespielt. Eine kurze Internetrecherche zeigte, dass um den Guru eine Art Sekte entstanden ist, welche alle möglichen Klischees erfüllte. Leicht irritiert tranken wir unsere Heißgetränke und warteten auf Antworten unserer BeWelcome-Anfragen (unsere Couchsurfing-Alternative).

Wir fanden einen netten Host für die kommende Nacht. Mit Einkäufen im Gepäck kamen wir an, bereiteten gemeinsam Ofengemüse vor und aßen gemütlich zu Abend. Zum Nachtisch tischten wir noch aus dem Norden importieres Lübecker Marzipan auf, während wir zu dritt vor dem Kamin auf dem Sofa saßen.
Nachts wurde es recht kühl, da das Haus, etwas in die Jahre gekommen, nur schlecht über alte durch Starkstrom betriebene Radiatoren beheizt wurde. Ods‘ Erkältung wurde schlimmer, weswegen wir entschieden, den kommenden Tag entspannt anzugehen und in der Stadt zu verbringen. Die meisten Museen hatten an dem Tag geschlossen. So verbrachten wir den halben Tag in der Stadtbibliothek mit Lesen. Gegen Mittag machten wir uns zur Getreidegasse auf, um einerseits etwas zu essen, andererseits ein bisschen Sightseeing zu betreiben. Außerdem wollten wir eine Buchhandlung aufsuchen um uns endlich ein Kartenspiel für die Reise zuzulegen. Dies hatten wir bisher versäumt. Während ods vor Kälte und Erkältung im winterlichen Salzburg fror, ging Nanis Beckengurt vom Rucksack kaputt. So hatten wir direkt eine neue Aufgabe. Wo zur Hölle bekommt man einen Klickverschluss für den Beckengurt her? In mehreren Outdoorgeschäften hatte Nani kein Glück und fand dann schließlich im örtlichen Spar einen Koffergurt der einen passenden Klickverschluss besaß. Der wurde kurzerhand gekauft, zerschnitten und an den eigenen Rucksack gebastelt. Ein witziges Kartenspiel fanden wir auch. Die Nacht verbrachten wir in einem Hostel, sodass wir dort unser Gepäck lassen konnten, um am Abend ein Kammerkonzert der Mozart-Universität zu besuchen. Diese werden kostenlos dargeboten und was wäre ein Besuch in Salzburg ohne ein klassisches Konzert!

Kammerkonzert in Salzburg

Salzburg bis Triest

Am nächsten Tag verließ uns das Tramperglück wieder und wir standen den halben Tag vor der Auffahrt nach Villach in Österreich. Frierend, hungrig und frustriert entschieden wir uns auf einen Fernbus umzusteigen, nachdem wir diverse Flixbusse an uns vorbei fuhren sahen. Eine kurze Recherche ergab, dass es gerade mal 20 € kostete, die 4 Stunden nach Ljubljana zu überbrücken. Also taten wir dies. Ein wenig entmutigt, diskutierten wir auf der Fahrt darüber, wie wir zukünftig mit solchen Situation umgehen wollen, damit wir nicht nach jedem schlechten Tag einen Bus nehmen würden, denn so wollen wir eigentlich nicht reisen. Da fiel uns der Notfalldosenkuchen wieder ein, den Nani von Bibo zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte und beschlossen, diesen bei der nächsten Durststrecke zu öffnen. Mit ein bisschen Kuchen im Bauch lässt es sich meist noch ein Weilchen länger stehen oder eine neue Strategie überlegen. In der Hauptstadt von Slowenien angekommen, suchten wir uns zunächst wieder ein schnuckeliges Café um kurz anzukommen. Ods‘ suchte einen Golf Pub heraus, der sich als besonders urig und gemütlich herausstellte. Wir tranken beide einen Kaffee, um uns für den Spaziergang durch die Innenstadt hin zu unserem Schlafplatz zu stärken. Während des Spaziergangs durch die Fußgängerzone machte Nani noch einen Zwischenstopp an einem besonders schönen Postkartenständer sowie bei der örtlichen Post, um die obligatorische Postkarte an Bibo versenden zu können. Dies war Nanis kleine Aufgabe: In jedem Land, was sie besuchte, wollte sie eine Karte nachhause schicken. Am Stadtrand angekommen, unweit von der nächsten Autobahnraststätte entfernt, an der wir am nächsten Morgen weiter trampen wollten, fanden wir ein kleines Wäldchen, in dem wir unser Nachtlager aufschlagen konnten.

Auch hier hatten wir am nächsten Morgen zuerst wenig Glück, fanden dann aber ein Auto, das uns bis nach Triest bringen sollte. Mutter und Sohn sammelt uns ein und beschlossen, uns kurzerhand direkt nach Triest reinzubringen. Endlich waren wir am Mittelmeer! Wir setzten unsere Tradition fort und suchten ein weiteres niedliches Café heraus, in dem wir typisch italienisch einen Cappuccino und eine heiße Schokolade (es war so dickflüssig wie Pudding) tranken und ein Stück Kuchen aßen.

Heißgetränke und Kuchen auf italienische Art

Wir entschieden uns auch noch zum Abendessen in der Stadt zu bleiben und wollten typisch italienisch Pizza und Wein genießen. Wir fanden ein Restaurant, wo uns der Kellner auf der Straße ansprach, und obwohl wir wussten, dass es vermutlich eine Touristenfalle war, setzten wir uns nach kurzem Zögern rein und bestellten. Es kam, wie es kommen musste. Der Wein war nur mittelmäßig, und die uns aufgetischte Pizza war aller Wahrscheinlichkeit nach eine Margherita Tiefkühlpizza, die mit den jeweils ausgewählten Belegen ergänzt wurde. Über dieses Fiasko von Restaurantbesuch schmunzelten wir, bestellen einen weiteren mittelmäßigen Wein und machten uns dann auf zu unserem Bus, der uns zu unserem Schlafplatz oberhalb von Conello bringen sollte. Den ersten Bus verpassten wir, da der Ticketautomat aus dem letzten Jahrhundert Nanis Kreditkarte nicht nehmen wollte. Doch schließlich gelang es Nani zwei Tickets zu kaufen und in den nächsten Bus einzusteigen. Nun arg unter Zeitdruck, da Nani noch eine Verabredung zum telefonieren hatte, kraxelten wir die steile Straße den Berg hinauf und suchten flott im Dunkeln einen geeigneten Schlafplatz. Schnell gefunden und das Tarp gespannt schaffte Nani es mit etwas Verspätung zum Telefonat und der Abend konnte ausklingen.

Wir lernten die Innenstadt von Triest kennen

Von Triest nach Rijeka

Der nächste Morgen begann mit einer kleinen Bustour in den nächsten Ort Basovizza, um von dort zurück über Slowenien nach Koratien zu trampen. Ein netter Kroate sammelte uns ein und fuhr uns bis 20 min vor Rijeka, wo uns prompt ein nächstes Auto einsammelte. Der Fahrer und wir konnten uns leider nicht auf eine Sprache einigen, aber mit Händen und Füßen erklärte er uns, dass er auf dem Weg nach Bosnien sei und fragte, ob wir nicht mit ihm mit kämen wollen. Wir wollten jedoch die Küste Kroatiens runter, einerseits, um den eisigen Temperaturen endlich zu entrinnen, andererseits, um das Reisetempo der Autobahnen zu drosseln. Nani merkte bereits, dass ihr die Schnelligkeit verbunden mit dem eher schleppenden Vorankommen über die Autobahnraststätten nicht gut tat und wollte gern auf die kleineren Landstraßen wechseln.
Also setzte uns der Bosnier an der, vorerst letzten, Autobahnraststätte vor Rijeka ab und fuhr hupend und winkend von dannen. Auch hier sollten wir kein Glück haben. Wir standen den gesamten restlichen Nachmittag dort. Irgendwann stellten wir fest, dass wenn man nach Zadar gelangen möchte, der einfachste Weg tatsächlich über Zagreb führt. Dies war uns im Auto jedoch wiedersinnig vorgekommen, obwohl uns der herzliche Bosnier dies mehrfach anbot. Ärgerlich über unser Malheur arrangierten wir uns mit dem Schicksal und trafen dafür ein weiteren Tramper in Mönchsrobe. Er war schätzungsweise bereits zwischen 70 und 80, war auch bei dem Wetter in Sandalen unterwegs und hatte nichts außer seinem Köfferchen dabei. Er pilgerte seit Jahren durch die Welt und zeigte uns in einer Zeitschrift, wie er von Papst Johannes Paul II. gesegnet wurde und erzählte in verschiedensten Sprachen gleichzeitig, die wir alle nicht recht verstanden, davon, dass er in Israel war und Jerusalem besuchte. Wir beschlossen, den Tag Tag sein zu lassen und überlegten uns, wo wir die Nacht verbringen wollten. Ein weiterer Bus brachte uns letztendlich nach Kraljevika, wo wir hinter einer kleinen Kapelle einen guten Schlafplatz fanden, inklusive unserem eigenen privaten Aussichtspunkt aufs Mittelmeer. Erneut schlugen wir unser Nachtlager auf und fanden zwischen der mittlerweile felsiger werden Landschaft ein gemütliches Bett.

Die Gebetsfahnen dürfen an unserem Schlafplatz nicht fehlen

Vom Regen geweckt entschieden wir den Tag in dem kleinen Örtchen zu verbringen und eine weitere Nacht an diesem Platz zu schlafen, da uns hier niemand stören würde. Der Pausetag tat sowohl Nani als auch Ods wirklich gut. Wir machten eine kleine Wanderung zum örtlichen Leuchtturm und zurück und verbrachten den grauen Tag ansonsten mit Lesen und Kartenspielen. Ausgeruht und gestärkt konnte es am folgenden Tag nun weitergehen, immer weiter die Küstenlinie entlang Richtung Süden.

Erholt und motiviert – Nani und ods

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